Mittwoch, 8. April 2026

Tag 06: Maria, ihm schmeckt's nicht

Frankenburg - Maria Schmolln
(30,7 km - 750 Hm auf - 760 Hm ab)

Was ein weiterer wundervoller Tag...

Ich starte heute so früh wie noch nie auf dieser Tour und das liegt nicht an besonders frühem, sondern eher an etwas dürftigem Frühstück.

Es ist ok, aber wenn ich über das Preis-Leistungs-Verhältnis nachdenke, gerät die teuerste Übernachtung der Tour an dieser Stelle schon ein wenig in Schieflage: In der Pension an der Donau habe ich für genau die HÄLFTE des Preises ein ebenso schönes Zimmer gehabt (und ohne ggf. fragwürdige nächtliche Frauengesellschaft im Schlafzimmer), hatte dort Ausblick auf die Donau/hier in die Berge aber als einziger Gast erlebte ich dort ein Frühstückbuffet der Extra-Klasse. In einer einfachen Pension.

Naja, so komme ich immerhin früher los und ich bin hier ja nicht zum Schlemmen oder Laufen oder Trainieren, sondern zum nett durch die Gegend spazieren.

Apropos nett und Futter:

"Am Fürtherbach", so, so: Man merkt schon, daß dies hier um Frankenburg noch den Bezug zu Franken hat...

Wobei ich in diesem Moment - kurz nach dem Start - gar nicht mal unbedingt an die legendäre Feindschaft zwischen Nürnberg und dem benachbarten Fürth denke oder an mein gescheitertes Friedensprojekt in den Alpen zum 100. Jahrestages des Endes des Gebirgskrieges am Zentralalpenweg 2017, Tag 57 weil es einfach keinen Weg von Fürth (Tag 45) nach Nürnberg - bzw. den gleichnamigen Hütten in den österreichischen Bergen gibt, wie damals empirisch beim glücklosen Versuch nachgewiesen werden konnte.

Vielmehr geht es um eine Sache, die schon ein paar Tage länger zurückliegt: Korsika (eine französische Insel übrigens - mit der ich WEITERHIN noch eine Rechnung namens GR20 offen habe), 1993...

Seither lese ich bei allen "Füttern verboten"-Schildern immer unterbewußt "Fürthern verboten". Das war damals ein geflügeltes Wort - und ich vergesse manches nicht ganz so schnell, vorzugsweise Schönes & Schlimmes, (wobei ich ja überhaupt nicht nachtragend bin, siehe beispielsweise Wien-Nizza, Tag 74).

Wie es scheint, habe ich das aber weder 2017 noch 2022 (Verona - Salzburg, Tag 23) bei meinen Besuchen auf der Neuen Fürther Hütte zum Thema gemacht ?!

Ich habe gar keine Ahnung, wie ich jetzt gerade darauf komme.

Das ist eine grobe bis groteske Lüge.

Jedenfalls fuhren zwei (virtuell) halbe Busse an Jugendgruppen, die (real) aber vermutlich bzgl. Fährübersetzen eher als einer zu sehen waren aus Franken nach Korsika. Und die beiden Gruppen waren sich nicht wirklich grün. In JEDEM Fall weniger als die beiden entsprechenden Spechte des Tages...

Wo waren wir vor meinen Abschweifungen stehen geblieben ?

Ah, nach 5,5 Kilometern und den ersten 190 Aufstiegsmetern des Tages geht es nach einer Stunde unterwegs weg von der Straße und auf einen schönen Waldweg.

Bereits weitere 15 Minuten später bin ich zurück am Marienwanderweg 1 und damit auch am 810er, dem Rupertiweg.

Nun, zurück auf meiner eigentlichen Hauptroute geht es vorwiegend gen Nordwest und insbesondere durch den Wald.

Ausnahmen bestätigen die Regel.

Der Weg ist jedenfalls im Mittelteil heute sehr abwechslungsreich und ich habe wieder meine helle Freude am einfach nur schönen Tag - auch wenn es heute nicht ganz so warm ist und die Beine somit dranbleiben.

Am höchsten Punkt des Tages, ist das Gasthaus zwar schon lange wegen Pension geschlossen, aber immerhin gibt es noch ein i-Tüpfelchen obendrauf, was gerade wegen defektem Kassenautomat sogar gratis ist.

Zusatzhöhenmeter umsonst ? - Manchmal kann man wirklich an den Resten von Menschenverstand bei mir zweifeln (würde u.a. mein Vater an dieser Stelle evtl. einwerfen). Also nichts wie rauf auf den Turm...

Von der Steiglbergwarte kann man die Alpen in der Ferne im Süden ganz gut sehen...

Und andere Gestalten eher in der Nähe...

Das österreichische Bundesheer ist bei meiner Pause am Fuß des Turms dann beim improvisierten Aufbau eines ??? beschäftigt: Ob der Abspannungen in drei Richtungen vermute ich Funkmast, aber das Endergebnis erlebe ich nicht mehr mit, weil ich schon längst weiter gezogen bin.

Im Abstieg entdecke ich ein anderes Pärchen: Eng ineinander verschlungen, einander verbunden und gemeinsam gestrandet...

Immerhin mit Aussicht und ohne Leck geschlagen zu sein :-)

Der Kobernaußer Wald - wo ich gerade unterwegs bin - gilt übrigens als "eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Österreichs" (und bevor aus Kärnten jetzt wieder kritische Zweifel kommen: Stand am Aussichtspunkt, er zitiert nur ganz üblich unbedingt unschuldig).

Nach jedem Anstieg erfolgt auch heute wieder eine rasante Abfahrt - äh, nein, jetzt gingen die Pferde (oder doch der Early-Grey mit Kondensmilch in hoher Dosis) mit ihm durch...

Der Anstieg nach Frauschereck ist ganz schön heftig. Als ich an der T-Kreuzung oben an der Paßhöhe ankomme, schnaufe ich direkt ein wenig und bin entspannt, weil der weitere Weg so klar ist:

Vermeintlich.

Wie sich ca. 30 Minuten später wird herausgestellt haben, als ich einen großen Kreis und den Steilanstieg im Déjà-vu-Modus ein ZWEITES MAL hoch gelaufen bin :-o

Lessons to learn:

1. Die meinen das andere rechts !!!

2. Der Obmann lechzst doch nach solchen Berichten und freut sich bestimmt gerade tierisch.

3. Vertraue nur Deinem eigenen GPS mit Deiner eigenen Planung. Und schau auf's Display !

4. Erfreue Dich an Begegnungen mit hilfsbereiten, unglaublich netten Einheimischen, die Du sonst nie gehabt hättest. In jeder Lebenslage.

5. Versprich NIE(mandem), daß die heutige Etappe bestimmt keine 30 Kilometer haben wird.

Evtl. hat die folgende Katze kurz vor dem Ende von Frau Schereck auch bereits diese Ehrenrunde mehrfach/unfreiwillig hinter sich:

Was ihr offensichtlich (Obmann liest mit) noch keiner sagte: Ich stehe nicht unbedingt auf Katzen vom Typ Wischmopp-Verschnitt - oder bin ich einfach nur neidisch auf lange (dichte) Haarpracht :-o

Mein Wechsel zwischen Wald und freier Fläche geht jedenfalls munter weiter, während ich weiter gen Nordwesten spaziere...

Kurz vor Maria Schmolln habe ich dann wieder eine kleine Optimierung eingebaut (die nämlich eigentlich die Etappe auf unter 30 Kilometer gedrückt hätte) und weiche vom 810er auf einen lokalen Wanderweg ab.

Der ist hier aber sogar viel schöner als die Forstautobahn auf der Hauptroute:

So erreiche ich mein Quartier am südöstlichen Ortsrand von Maria Schmolln (optimierte Logistik ist alles) nämlich am einfachsten und direkt.

Für den weiteren Weg morgen, ist das auch nicht ganz ungeschickt...


Begegnungen:

- 1 Milan

- 1 Grünspecht

- nette Einheimische, die mir Hilfe anbietet, als ich irgendwie lost bin

- 1 kautzig-komische (Heilige Birma- ?) Katze

- 1 Grünspecht


Dienstag, 7. April 2026

Tag 05: Die Ruhe im Wald

Haag am Hausruck - Frankenburg am Hausruck
(24,3 km - 640 Hm auf - 640 Hm ab)

Ich habe kein Problem beim Frühstück mit dem kalten Wasser aus der Dusche, nur mit der kalten Milch, fehlend zu meinem Schwarzen Tee.

Aber nach drei Versuchen klappt auch das noch: Ganz so wach scheint die (unfreiwillig) kalte Dusche die Wirtin nicht gemacht zu haben ;-)

Ich verabschiede mich, natürlich nicht ohne nochmal das Engagement wegen des Abendessens lobend zu erwähnen und dann gehe ich zum VIERTEN Mal den (Asphalt-)Weg bergauf zum Ortsrand am Wald.

Und dann verschwinde ich im Hausruck...

HERRLICH !

Wald !!

Nach 200 Aufstiegsmetern habe ich die Anhöhe der Luisenhöhe erreicht: Sonst aber niemand, was aber auch kein Wunder ist, denn diese mysteriöse Bahn scheint schon länger nicht mehr zu verkehren, das Lokal hier an der Bergstation ist schon länger zu, von einer Luise ist auch nichts zu sehen und wer wuchtet sich - noch dazu mit einem Hinkelstein auf dem Rücken - schon freiwillig die Serpentinen des SINGLE-TRAILS steil bergan ?

Wer ?

Ja.

Ich ! Und das ist gut so !!

Noch dazu, wo ich heute ja so etwas wie einen Pausentag habe (< 25 Kilometer): Ich bin gleich mal mehr als eine Stunde später los, schlendere mehr dahin als daß ich konsequent in Doppelstock-Schub-Technik vortriebsheischend gehe, sondern ich genieße den WALDBODEN und schwebe (samt meiner Gedanken) einfach so dahin. 

Zu sehen gibt es aber nicht nur Wald und irgendwelche Installationen, sondern immer wieder kann man Blicke in die Ferne erhaschen. Entweder ins Flachland:

Oder in die Berge: Aber davon gibt es immer Sommer ja noch mehr, da will ich jetzt mal nicht zu viel Spoilern ;-)

Weil ich heute eh nicht so einen Vortrieb habe, entscheide ich mich, gleich mal noch für 32 Extra-Aufstiegsmeter per 198 Stufen bei genau NULL Vortrieb:

Von der Haager Aussichtswarte hat man einen tollen Blick in alle Richtungen !

Nach einer Weile schlendere ich weiter...

Das ist echt nett hier: Zwar komplett bewaldet, aber immer wieder unterschiedlich...

Ausreichend Bänke gibt es auch, so daß ich hier gleich mal meine übliche kleine Pause (15 min) nach ca. zwei Stunden unterwegs einlege, wie das in den letzten (trockenen) Tagen so Usus geworden ist.

Die Sonne blinzelt vom blauen Himmel immer wieder durch die Bäume...

Irgendwann spricht mich Wolfgang an:

Wobei er erstmal fragt, ob er das darf.

Schon geschehen ;-)

Nein, das ist wohl nicht allen Menschen Recht.

Och, mir taugt das schon, insbesondere weil ich ja unterwegs - in den 4 Tagen bisher - nicht so viel Unterhaltung hatte - es sind sowieso wenige Menschen unterwegs, was mir insbesondere über das nun hinter mir liegend lange Osterwochenende aufgefallen war. Warnung an dieser Stelle an die Kinder zu Hause: Nach 4 WOCHEN kann Ohrenbluten die Folge sein, siehe Graz-Monaco, Tag 054 (Pepi erzählt heute noch davon ;-)

Zurück ins Hier und Jetzt: Wolfgang ist schon in 4 Tagen nach Altötting über den 1er-Weg (aktuell hier identisch zum 810er Rupertiweg) gepilgert (würde er nicht mehr machen - also in 4 Tagen die 135 km), umwandert irgendwelche Seen, hat sich schon mehrfach an Mammut-Märschen versucht...

Ich verbuche das Gespräch am Ende als sehr wertvoll, informativ, nett und mit 15 Minuten auf der Pausen- und Habenseite, wobei ich KEINE Ahnung habe, wie lange wir da standen und ratschten: Habe die Ehre, Wolfgang :-)

Für mich geht es weiter und just beim Boden, sehe ich eine dunkle Gestalt am Boden:

Manchmal werfen Ereignisse ja lange Schatten voraus, manchmal sind die Schatten aber auch einfach dahinter: Letzten Sonntag war ich seit unerdenklich langer Zeit mal wieder im E-Werk in Erlangen. Zum Tanzen. Das ist praktisch sowas wie Ringkampf, allerdings weder griechisch-römisch, römisch-katholisch noch Freistil. Davon hatte ich noch bis am Dienstag Knieschmerzen. Wahrscheinlich wegen der Schuhe. Ich fürchte nur, hätte ich meine schweren Bergstiefel dazu angezogen, hätte mir die "Gegenerin" im Ring nicht nur den Vogel, sondern gleich noch eine rote Karte gezeigt. Insofern bin ich sehr froh, wie das jetzt ALLES gelaufen ist ;-)

Wie komme ich da jetzt schon wieder drauf ?

Weil ich gerade am TANZboden stehe:

Und ratlos bin, mangels Partnerin. Traurig. Aber wahr.

Also gleich mal Mittagspause hier eingelegt und dann in aller Ruhe gemütlich weiter geschlendert...

Leider hat auch der schönste Wald mal ein Ende - oder zumindest eine größere Freifläche:

Aber wenig später, hat er mich wieder: Der Wald.

Am Wegesrand entdecke ich dann eine Art Janosch-Bank, die sich bei genauerem Hinsehen allerdings als Bienen-Bank entpuppt:

Mmmh, fehlt quasi nur noch der Honig.

Wobei: Ich bin ja nicht so der Bienenhonig-auf-Butterbrot-Typ...

Kurz danach verlasse ich den Rupertiweg, denn heute ist Dienstag und da ist im einzigen Quartier an der Feitzinger Höhe (Etappenziel unweit des Wegs) Ruhetag, so daß ich nach Frankenburg (deutlich im Süden sowie im Tal gelegen) ausweichen muß.

Der Plan sieht vor, eine schöne Route gen Südwest zu nehmen. Und diese Idee scheint sich zu manifestieren...

Am Horizont sieht man im Süden die Berge...

Die Tafeln am Weg erklären dann gleich noch die historische Bewandnis: Na, da schau her...

Die Gegend gehörte zur Erzbistum Bamberg/Oberfranken. Quasi analog wie mein Wohnort Herzogenaurach (katholischer Fleck im eher evangelischen Mittelfranken).

So klein ist die Welt und meine Tagesetappe gleich zu Ende.

Welch herrlicher Tag !

Kaum Asphalt, traumhaftes Wetter, nette Begegnungen, tolle Wege, abwechslungsreiche An-/Aussichten und so ist es mit den Asphalt-Passagen auf Weitwanderungen halt wie mit dem Wetter: Nach jedem Regen, kommt früher oder später die Sonne, die alles trocknet und das davor vergessen macht...


Begegnungen:

- 2 Eichelhäher

- Wolfgang (Mountainbiker)

- 3 Eselchen


Montag, 6. April 2026

Tag 04: Auch der längste Weg hat mal ein (gutes) Ende

Andorf - Haag am Hausruck
(32,5 km - 560 Hm auf - 380 Hm ab)

Die zweite Hälfte der gestrigen Etappe steckt mir noch in den Fußsohlen mit all dem Asphalt, aber das war nur der Auftakt, heute steht die längste Etappe meines Frühlingsabschnitts bevor, also nichts wie früh rein in den Tag...

Der kleine Kerl ist in einem Nachbarort/Weiler nach ein paar Kilometern auch schon putzmunter und trabt neugierig umher sowie quasi in Serpentinen (im Flachland) auf mich zu:

Ich aber muß weiter: Über den Asphalt :-(

Kurz erhalten meine Füße dann mal etwas Abwechslung, auch wenn die Markierer hier in der Gegend mir das glatt vorenthalten wollten: Aber Dank gutem Riecher und Blick auf's GPS zur Kontrolle sollte da heute nichts anbrennen.

Und der Obmann der ÖAV Weitwanderer wird abends eine ORDENTLICH lange Liste an Waypoints zur Begrüßung von mir vom 10er bekommen, wo mal was/wie zu markieren ist.

Sumpfdotterblumen, wenn ich nicht ganz irre ?

Kurz danach dann gleich noch ein schwimmendes schwarzes, Enten-ähnliches Getier mit knall-rotem Schnabel und Übergang am Kopf: Wer Zweifel an der Begegnung hat, möge einen besseren Vorschlag posten (@Stefan: Enten/Gänse und ähnliche Bratentiere sind doch Dein Steckenpferd im Knick, oder ?)...

Die folgende Beschilderung ist dann schon auch schräg:

Die Gemeinde setzt sich quasi per Ausnahmeverfügung über den Standard (des Grundeigentümers) hinweg, also gehe ich mal SCHRÄG am Fluß (die Pram) - was auch immer das in Metern Abstand genau heißt - erwähnte ich schon mal meine Schwierigkeiten mit ungenauen Angaben ? - Am allerliebsten sind mir theoretisch quasi Künstlerinnen, die Frühstückseier NACH GEFÜHL kochen - um nur mal ein fiktives Beispiel von und für Herzrasen, Magenbeschwerden, Durchfall sowie Hörstörungen zu nennen.

In Pram (dem Ort zum Fluß - oder umgekehrt) hört die Straße augenscheinlich ein Stück weiter vorne einfach auf: Ein Fuß-/Wiesen-/Wald- o.ä. Weg kommt aber auch nicht. Das war doch wohl nicht das Werk der folgenden Taugenichtse ?

Nein, als ein ICE vorbeihuscht (zur Pünktlichkeit kann ich an dieser Stelle leider keine Bewertung vornehmen), wird mir klar, warum/wie die Straße so unterbrochen und das Dorf wie zerschnitten aussieht: Eine Bahnlinie.

Gut, daß es eine Fußgänger-Unterführung gibt. Zur Abwechslung ist die mal nicht asphaltiert. Sondern betoniert.

Nach meiner Schatzdorfer Mittagspause, bekomme ich dann einen Nachschlag. Asphalt.

Zur Kommunikation bin ich da längst nicht mehr in der Lage...

Wenn ich schon vor (und hinter mir) einen recht eintönigen Ausblick aus Perspektive meiner Füße habe (Asphalt), schweifen dafür wenigsten meine Augen wachsam durch die Gegend und hier geht mir auch mal wieder ein wahrer Sonntagsbraten (schade, daß heute (Oster-)Montag ist) in die Foto-Falle:

Hübsch ist er schon der Kerl.

Und er weiß es ;-)

So ist das mit diesen eitlen Gesellen...

Aber schmecken würde er bestimmt auch - und ob ihm DAS bewußt ist ? :-o

Zum Schwimmen ist es noch zu kalt und die Etappe heute zu lang, nasse Füße bleiben mir mangels Hochwasser auch erspart und so erklimme ich kurz nach dem See durch ein Gehöft hindurch gleich mal den nächsten Hügel.

Der Weg führt heute wirklich extrem viel per Zick-Zack sowie auf und ab. Allerdings ist auf eines Verlaß: Den Asphalt.

Immerhin wechselt in den Ortschaften ab und an mal der Untergrund zu Plaster, Platten, Beton oder ähnlichen Dingen, die zwar genauso hart für die Füße sind, aber zumindest für die Augen mal etwas Abwechslung bedeuten.

Man sollte ja nie vergessen: Das Auge wandert mit - oder wie dieses berühmte Sprichwort aus der Kloßküche heißt.

Da bleibt mir auf dem nächsten Hügel wohl nur ein Schulterzucker statt der Wolke Nummer 7...

... ich halte mich ja immer an die Dinge die angeschrieben sind - von Forstarbeiten-Sperrungen ohne Umleitung und zwei Meter vor dem ersten umgesägten Baum in einer somit quasi sehr tiefen Sackgasse vielleicht mal abgesehen.

Der Zucker hier lockert die Schulter zumindest etwas auf, was nach knapp 30 Kilometern mit dem Hinkelstein im Kreuz eigentlich auch gar nicht so schlecht ist.

Um mich vom Bodenbelag (Asphalt) mal etwas abzulenken, beschäftige ich mich mit Foto, Handy, Kommunikation, ...

... was FAST dazu führt, daß ich die unscheinbare überstumpfe Abzweigung verpasse (ca. 225°).

In der Folge schmeichelt zwar für eine kurze Weile Waldboden um meine zarten Füßlein in den schweren, bedingt-steigeisenfesten Bergstiefeln (merke: damit kommst Du ÜBERALL hin), dafür sind die Markierung hier im Zick-Zack durch den Wald alles andere als schmeichelhaft, um nicht zu sagen: mangels Existenz verpetzenswert.

Ich komme kaum noch vorwärts, weil ich entweder Protokoll für den Obmann führe oder mich eine wildfremde österreichische Nummer anruft: Aha, die Wirtin meines Quartiers.

Ob ich denn ungefähr wüßte, wann ich ankäme.

Ungefähr ? - Komische Frage.

Ich antworte, daß ich nicht ungefähr, sondern noch GENAU drei Kilometer zu gehen hätte.

Wirtin: SIE SIND ZU FUSS UNTERWEGS ???

[äh, ja, das bezeichne ich als gehen], denke ich mir

Ich habe wohl zu lange gedacht. Oder böse Zungen aus Franken (oder dem Chiemgau) haben mir einen Schabernack eingefädelt...

Wirtin: Ah, dann sind sie ja in 30 Minuten da...

[30 MINUTEN für 3 km mit dem Weitwanderrucksack - *wtf* ?]

Ich: Naja, vielleicht auch 40 Minuten...

Da wußte ich noch nichts von den Zusatzhügeln und ähnlichen kleinen Gemeinheiten, die 100% auch von diesen kleinen arglistigen Menschen aus dem Nordwesten platziert wurden, um mir eines Auszuwischen, weil ich zuweilen frech bin - sagt man (Beweise unbekannt - oder mangels Tragfähigkeit/Belastbarkeit abgelehnt).

Nun bin ich aber wirklich im letzten (Asphalt-)Anstieg und muß ein Stück an der Hauptstraße nach Haag am Hausruck entlang.

Am Ortsrand sehe ich eine komische Anlage: Nach kurzer optischer Analyse tippe ich auf ein Mischwesen aus Geriatrie-Golf - Papamobil - Sommerrodelbahn:

Scheinbar fährt das Ding (also jede einzelne Kabine vereinzelt) geradewegs Fallinie den Berg hoch und kommt dann in Bögen wieder herab.

Komische Sache.

Noch komischer (im nun echt schmerzhaften Asphaltsteilabstieg im Dorf) der Brunnen, der nur in rostfreien Zeiten Wasser spendet, wie mir ohne Hörgeräte und Brille, ganz ohne Plätschern hier vermittelt wird:

Sieht nicht sehr rostfrei aus.

In meiner Unterkunft ist essensfrei. Das ist aber auch nicht so gut.

ABER: TATSÄCHLICH (nicht augenscheinlich oder gar scheinbar) hatte ich vorhin am Telefon so eine Art Mutterinstinkt oder ähnliches geweckt, denn die Chefin hat schon mal den ganzen Ort abtelefoniert, wo ich denn etwas zwischen die Kiefer bekommen könnte.

Heute ist nämlich Montag, Ostermontag sowie Feiertag und neuerdings ist das augenscheinlich nicht mehr so einfach wie früher, sondern komplexe Fallunterscheidung nötig:

1, Lokale haben zu, weil montags Ruhetag.

2. Lokale haben zu, weil Ostermontag wie Sonntag behandelt wird und sie sonntags (SONNTAGS !) zu haben: Hier abends, in Erlangen in einem Frühstücks-Cafe am Lorlebergplatz zum Frühstücken am Morgen (Herr, schmeiß Hirn vom Himmel !).

Jedenfalls gibt es genau EINE Lösung:

3. Ein kleines gallisches Lokal hat immer offen, insbesondere wenn alle anderen zu haben.

Und dort hat die Wirtin sich zur Sicherheit auch sicherheitshalber nochmal extra versichert, daß der arme Wanderer auch (noch) was bekommt.

Kleiner Haken:

Nein, nicht die Sonne, sondern die 1,5 Extra-Kilometer (muß ich es nochmal extra erwähnen: über Asphalt) und 60 Aufstiegsmeter (und schlimmer die 60 hinterher wieder bergab - über den Asphalt), denn das Lokal ist oben an der Bergbahn am Ortsrand, wo ich just vorbeigekommen war :-o

Aber, ich darf mich nicht beschweren: Wie ich am nächsten Morgen beim Frühstück (von schockgefrorenen, aber hellwachen Gästen und Wirtsleuten) erfahren werde, war ich der letzte Mensch, der heißes Wasser hatte (und zwar ALLES davon), bevor Heizung den Dienst versagte (mafiöse Störstrahlung ?).

Außerdem hatte ich den besten Burger der letzten 10-20 Jahre: Komplett hausgemacht, extrem saftig, tolle Soße, frischer/knackiger Salat, Grillgemüse, Gurken, ... einfach ein Traum.

Nachdem ich ja sonst eher so der Grumeltyp bin (wie heißt es über die Franken: nicht geschimpft, ist Lob genug), drücke ich mich - zur Überraschung der Menschheit - mal explizit positiv aus, mit einer SEHR unerwarteten Konsequenz: Einerseits zahle ich bar (damit für den Wirt mehr übrig bleibt) und als ich neben den Scheinen noch ein paar Münzen dazugeben möchte, winkt der Chef ab: "Das genügt und Du mußt Deine Reisekasse schonen !"

Ok, DAS ist mir auch noch nicht passiert !


Apropos schonen bzw. eigentlich das Gegenteil: Das böse <T-Wort, was auf Fränkisch so klingt wie Entleeren auf Englisch - und da ist noch gar nicht nach dem Sinn gefragt>...

Nach Tag 4 heute bin ich mir ja eigentlich (mal wieder) sicher, daß ich meinen aktuellen Ausflug (planmäßig) meistern werde: Es geht mir blendend, auch wenn die letzten 50 Kilometer auf Asphalt nicht so prickelnd (oder zu sehr prickelnd für die Fußsohlen) waren, so kann ich mich doch von Anfang an über keinerlei muskuläre Beschwerden, Probleme mit meinen maladen Knien, Sehnenärger, Rücken oder mangelnde Ausdauer beklagen: Heute war ich sogar noch 15 Minuten kürzer (zeitlich) unterwegs als bei der (entfernungstechnisch) kürzeren Etappe an Tag 02. Und das TROTZ all den Ablenkungen und vor allen Dingen Verletzung meiner goldenen Weitwander-Regel: Essen, Trinken, Schlafen. - Momentan laufe ich da gewissermaßen im 50%- und nicht im Ausreichend-Modus (obwohl das ja in manchen Lebensabschnitten mal dasselbe war) ;-)

Wenn ich aber just in einem dieser Ratgeber-Artikel wieder lese, was/wie man alles <Verb des bösen t-Wortes> muß, um ein wenig wandern zu gehen: 20-26 WOCHEN vorab <böser T-Plan> - jetzt mal nur kurz für die Dummen: Um im Juli sowas wie München-Venedig, den Nord-Süd-Weitwanderweg oder auch hier den 10er Rupertiweg zu gehen, fängt man im JÄNNER mit Kraft und 5-10-km-Wanderungen an ? - Nachdem es bei uns keinen Jänner gibt, bin ich vermutlich in all den Jahrzehnten immer einfach bereits am Einstieg von der Kanapee-Nordwand her gescheitert - zuweilen sind die naheliegensten Erklärungen am Ende plötzlich die, die am meisten einleuchten...

Ich glaube ja, diese KI-Bots haben mittlerweile ein Eigenleben, denn bekanntlich existiert mittlerweile schon längst deutlich mehr maschinengenerierter "Content" als Fakten von Menschen. Degenerierung, kann ich da nur sagen. Und zwar bei der Maschine und bei (vielen) Menschen...


Begegnungen:

- 1 Fasan (m)

- 4 Rehe

- 1 kleiner Esel

- 4 ältere Einheimische auf einen Feiertags-Ratsch

- 5 (Oster-)Hasen auf dem Feld

- 2 Hasen

- 1 Teichhuhn/Teichralle (schwarzes Schwimmtier mit knall-rotem Schnabel)

- 1 Falke

- 1 Buntspecht

- 1 Fasan (m)