Dienstag, 7. April 2026

Tag 05: Die Ruhe im Wald

Haag am Hausruck - Frankenburg am Hausruck
(24,3 km - 640 Hm auf - 640 Hm ab)

Ich habe kein Problem beim Frühstück mit dem kalten Wasser aus der Dusche, nur mit der kalten Milch, fehlend zu meinem Schwarzen Tee.

Aber nach drei Versuchen klappt auch das noch: Ganz so wach scheint die (unfreiwillig) kalte Dusche die Wirtin nicht gemacht zu haben ;-)

Ich verabschiede mich, natürlich nicht ohne nochmal das Engagement wegen des Abendessens lobend zu erwähnen und dann gehe ich zum VIERTEN Mal den (Asphalt-)Weg bergauf zum Ortsrand am Wald.

Und dann verschwinde ich im Hausruck...

HERRLICH !

Wald !!

Nach 200 Aufstiegsmetern habe ich die Anhöhe der Luisenhöhe erreicht: Sonst aber niemand, was aber auch kein Wunder ist, denn diese mysteriöse Bahn scheint schon länger nicht mehr zu verkehren, das Lokal hier an der Bergstation ist schon länger zu, von einer Luise ist auch nichts zu sehen und wer wuchtet sich - noch dazu mit einem Hinkelstein auf dem Rücken - schon freiwillig die Serpentinen des SINGLE-TRAILS steil bergan ?

Wer ?

Ja.

Ich ! Und das ist gut so !!

Noch dazu, wo ich heute ja so etwas wie einen Pausentag habe (< 25 Kilometer): Ich bin gleich mal mehr als eine Stunde später los, schlendere mehr dahin als daß ich konsequent in Doppelstock-Schub-Technik vortriebsheischend gehe, sondern ich genieße den WALDBODEN und schwebe (samt meiner Gedanken) einfach so dahin. 

Zu sehen gibt es aber nicht nur Wald und irgendwelche Installationen, sondern immer wieder kann man Blicke in die Ferne erhaschen. Entweder ins Flachland:

Oder in die Berge: Aber davon gibt es immer Sommer ja noch mehr, da will ich jetzt mal nicht zu viel Spoilern ;-)

Weil ich heute eh nicht so einen Vortrieb habe, entscheide ich mich, gleich mal noch für 32 Extra-Aufstiegsmeter per 198 Stufen bei genau NULL Vortrieb:

Von der Haager Aussichtswarte hat man einen tollen Blick in alle Richtungen !

Nach einer Weile schlendere ich weiter...

Das ist echt nett hier: Zwar komplett bewaldet, aber immer wieder unterschiedlich...

Ausreichend Bänke gibt es auch, so daß ich hier gleich mal meine übliche kleine Pause (15 min) nach ca. zwei Stunden unterwegs einlege, wie das in den letzten (trockenen) Tagen so Usus geworden ist.

Die Sonne blinzelt vom blauen Himmel immer wieder durch die Bäume...

Irgendwann spricht mich Wolfgang an:

Wobei er erstmal fragt, ob er das darf.

Schon geschehen ;-)

Nein, das ist wohl nicht allen Menschen Recht.

Och, mir taugt das schon, insbesondere weil ich ja unterwegs - in den 4 Tagen bisher - nicht so viel Unterhaltung hatte - es sind sowieso wenige Menschen unterwegs, was mir insbesondere über das nun hinter mir liegend lange Osterwochenende aufgefallen war. Warnung an dieser Stelle an die Kinder zu Hause: Nach 4 WOCHEN kann Ohrenbluten die Folge sein, siehe Graz-Monaco, Tag 054 (Pepi erzählt heute noch davon ;-)

Zurück ins Hier und Jetzt: Wolfgang ist schon in 4 Tagen nach Altötting über den 1er-Weg (aktuell hier identisch zum 810er Rupertiweg) gepilgert (würde er nicht mehr machen - also in 4 Tagen die 135 km), umwandert irgendwelche Seen, hat sich schon mehrfach an Mammut-Märschen versucht...

Ich verbuche das Gespräch am Ende als sehr wertvoll, informativ, nett und mit 15 Minuten auf der Pausen- und Habenseite, wobei ich KEINE Ahnung habe, wie lange wir da standen und ratschten: Habe die Ehre, Wolfgang :-)

Für mich geht es weiter und just beim Boden, sehe ich eine dunkle Gestalt am Boden:

Manchmal werfen Ereignisse ja lange Schatten voraus, manchmal sind die Schatten aber auch einfach dahinter: Letzten Sonntag war ich seit unerdenklich langer Zeit mal wieder im E-Werk in Erlangen. Zum Tanzen. Das ist praktisch sowas wie Ringkampf, allerdings weder griechisch-römisch, römisch-katholisch noch Freistil. Davon hatte ich noch bis am Dienstag Knieschmerzen. Wahrscheinlich wegen der Schuhe. Ich fürchte nur, hätte ich meine schweren Bergstiefel dazu angezogen, hätte mir die "Gegenerin" im Ring nicht nur den Vogel, sondern gleich noch eine rote Karte gezeigt. Insofern bin ich sehr froh, wie das jetzt ALLES gelaufen ist ;-)

Wie komme ich da jetzt schon wieder drauf ?

Weil ich gerade am TANZboden stehe:

Und ratlos bin, mangels Partnerin. Traurig. Aber wahr.

Also gleich mal Mittagspause hier eingelegt und dann in aller Ruhe gemütlich weiter geschlendert...

Leider hat auch der schönste Wald mal ein Ende - oder zumindest eine größere Freifläche:

Aber wenig später, hat er mich wieder: Der Wald.

Am Wegesrand entdecke ich dann eine Art Janosch-Bank, die sich bei genauerem Hinsehen allerdings als Bienen-Bank entpuppt:

Mmmh, fehlt quasi nur noch der Honig.

Wobei: Ich bin ja nicht so der Bienenhonig-auf-Butterbrot-Typ...

Kurz danach verlasse ich den Rupertiweg, denn heute ist Dienstag und da ist im einzigen Quartier an der Feitzinger Höhe (Etappenziel unweit des Wegs) Ruhetag, so daß ich nach Frankenburg (deutlich im Süden sowie im Tal gelegen) ausweichen muß.

Der Plan sieht vor, eine schöne Route gen Südwest zu nehmen. Und diese Idee scheint sich zu manifestieren...

Am Horizont sieht man im Süden die Berge...

Die Tafeln am Weg erklären dann gleich noch die historische Bewandnis: Na, da schau her...

Die Gegend gehörte zur Erzbistum Bamberg/Oberfranken. Quasi analog wie mein Wohnort Herzogenaurach (katholischer Fleck im eher evangelischen Mittelfranken).

So klein ist die Welt und meine Tagesetappe gleich zu Ende.

Welch herrlicher Tag !

Kaum Asphalt, traumhaftes Wetter, nette Begegnungen, tolle Wege, abwechslungsreiche An-/Aussichten und so ist es mit den Asphalt-Passagen auf Weitwanderungen halt wie mit dem Wetter: Nach jedem Regen, kommt früher oder später die Sonne, die alles trocknet und das davor vergessen macht...


Begegnungen:

- 2 Eichelhäher

- Wolfgang (Mountainbiker)

- 3 Eselchen


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