3, 2, 1: Ignition.
Wir sind zwar nicht in Cape Canaveral, aber jetzt geht es auch hier los...
Gegen 09:30 Uhr mache ich mich direkt von meinem Auto vor dem Hotel auf den Weg: Nachdem ich später hier wieder vorbei komme, kann ich einen großen Teil meines Gepäcks erstmal noch zurücklassen.
Bereits nach 5 Minuten zu Fuß lasse ich das Dorf hinter mir, nach 15 Minuten ist bereits der Kopf völlig frei...
Bei strahlend blauem Himmel - hätte (für heute) noch keiner gedacht (sollte eigentlich erst ab Montag richtig schön werden - kann ich mich gar an der spazierenden Schattengestalt amüsieren vor der ja allgemein gewarnt wird:
Nach gut 30 Minuten ist es HÖCHSTE Zeit die Weste weg zu packen und ein besseres Plätzchen als hier im Wald mit einem Sonnenstrahlenspot auf die Aussichtsliege oberhalb des kleinen Sees und der Kneipp-Anlage hätte ich mir eigentlich nicht erträumen lassen können...
Ach, geht es mir gut, auch - oder gerade weil ? - der Weg jetzt erstmal - mal mehr, mal weniger - steil den Berg hinauf führt.
Der Weg ist abwechslungsreich und raschelte am Anfang noch sehr viel Laub aus dem Herbst, so gewinnen mit der Höhe die Nadelbäume langsam die Oberhand.
Das erinnert mich an die Anreise gestern, wo ich unweit das Skigebiet "Hochficht" (da ist der Name Programm ?) mal persönlich, live und in Farbe hier im Böhmerwald gesehen habe, was mir seit Jahrzehnten nur ein schwammiger Begriff aus dem ORF-Panorama-Fernsehen war.
Apropos schwammig: So richtig genau hatte ich das Relief der Etappe gar nicht studiert, aber als ich hier dem Waldrand näher komme, ist mir schon klar, daß das nun das kurze falsche Intermezzo vor dem Schlußanstieg in der Todeszone des Bärensteins sein muß.
Aber erst kommen mir noch 4 Wanderinnen entgegen - die ersten Begegnungen seit dem Start übrigens:
Irgendwie sind es dann aber plötzlich nur noch drei.
Die vierte fällt mir dann 2 Meter links vom Weg NEBEN einem Baum durch Blankziehen (= Bewegung) und einem leuchtenden Hintern (= Kontrast) UNFREIWLLIG ins Auge.
Ich weiß gar nicht, wo ich hinschauen soll. Ich grüße mal lieber nicht (nicht, daß die sich erschreckt und gar hektisch verletzt). Ich schaue mal lieber demonstrativ geradeaus.
Aber komisch war das schon :-o
Egal: Kurz danach treffe ich auf den Nordwaldkammweg und den Europäischen Fernwanderweg E6. Ich biege links ab, gen Nordwesten und bin damit quasi auf direktem Weg gen Coburg (siehe ähnliches Problem Nord-Süd-Weitwanderweg 2025, Tag 01) - da ich allerdings nicht gerade zur schnellen Sorte gehöre, wären zwar meine Eltern bei meiner Ankunft wieder zu Hause, ich aber wohl meinen Job los und andere Menschen, die da gerade weilen auch schon lange wieder weg.
Also denn doch lieber vor der Langlaufloipe (die man eh zu Fuß nicht betreten darf) rechts weg und bergauf.
Langsam wird das Terrain anspruchsvoller:
Grödeln oder gar Steigeisen habe ich nicht dabei, aber auch ohne Eleganz (mich sieht ja keiner) meistere ich die Eispassagen heldenhaft.
Wenig später, sehe ich vor mir auf dem Weg ein junges Pärchen mit einem mittelgroßen weißen Hund, der nett wirkt.
Als die Frau mich sieht, will sie den Hund an die Leine nehmen, wird nahezu panisch, stolpert, verdreht und verfängt sich in der Leine, stürzt...
Und landet der Länge nach bäuchlings im allerfeinsten GATSCH - hier ist es nicht (mehr) gefroren, sondern ca. 5-10 Zentimeter tiefer Schlamm.
Sollte jemals die badische Barbara (E1-DE 2022, Tag 75) über diese Stelle - nicht die Hundeleine - stolpern: NEIN, da war nicht die Kaische Störstrahlung beteiligt oder gar ursächlich, denn ich wirke ja maximal auf Menschen die mich kennen (und sich vielleicht erinnern können) ;-)
Zu allem Überfluß findet der Hund das Spiel total lustig und beteiligt sich freudig, während Frauchen noch am Boden liegt bzw. sich aufzurappeln versucht.
Das ist dem Mädel jetzt bestimmt voll peinlich :-o
Ich hauche ein "Hallo" im Vorbeigehen der abgewendeten Dame zu, während zwischenzeitlich der Partner zurückkommt, und halte den Blick starr geradeaus und schau nicht nach rechts auf das Häufchen Elend.
Dabei hätte sie doch gar keine Angst um ihren Hund haben brauchen:
1. Ich bin zwar in Coburg geboren und in der Gegend groß geworden, aber NICHT im selbigen Neustadt bei aufgewachsen und/oder sozialisiert (kleines Erklärvideo zum Hintergrund).
2. Auch wenn ich ein Paar Mal mit Leuten von dort verkehrte, so gehöre ich doch NICHT zur Gattung "Hundsfrasser" (Hundeverzehrer).
3. Und außerdem ist das ausgiebige Frühstück noch gar nicht so lange her.
Egal.
Ich spaziere sinnierend weiter den Berg hinan...
Hier - im mystischen Wald - gibt es aber AUGENSCHEINLICH (@Gert: das erste Mal in diesem Jahr ?) schon gefräßige Gestalten:
Da ist doch glatt ein 10er-Schild vom Rupertiweg hochkant im Maul gelandet.
Kurz danach folgt bereits der "Final Climb" in Richtung Bärenstein-Gipfel:
Und so stehe ich nach 1,5 Stunden unterwegs, endlich am START des Rupertiwegs und kann hinüber nach Tschechien schauen, wo mir der Lipno-See ins Auge sticht, wo der Kollege Schneider aus Städtlerzeiten ein Ferienhäuschen hat: Allerdings wird er mit seiner Family erst nach den Osterferien dort sein und ich gehe ja umgehend in die umgekehrte Richtung...
Also los.
Abweichend von meinem Plan von zu Hause, hatte ich ja eine alternative Aufstiegsroute gewählt und so kann ich nun einen unbekannten Weg auf meiner kleinen Rundtour im Uhrzeigersinn entdecken.
Zwei Mal treffe ich auch noch das junge Pärchen mit dem weißen Hund: Hund sauber, Frauchen von oben bis unten...
Da hat das Putzen maximal im Gesicht geholfen. Die Arme !
Das Wetter ist traumhaft: Ich hatte am Gipfel bei 7°C bereits das Langarm-Shirt ausgezogen und auch im Schatten ist es mit T-Shirt sehr angenehm abwärts zu gehen - wie soll das nur im Sommer werden ?
Kurz vor dem Touristen-Parkplatz, wo mein alternativer Aufstiegsweg abzweigte, ereilt mich dann am heutigen Karfreitags-Feiertag noch eines dieser mysteriösen Schilder:
Mysteriös in der Form, daß ich mich schon öfter frage, ob eine Frist ohne Frist dann eine Frist ist. Oder eher Nix.
Betrachten wir das nicht ausgefüllte Schild doch mal logisch, systematisch mit einer Spur Mathematik.
Stichwort: Mengenlehre. Mir dünkt, 5. Klasse in den 1990ern.
Also wir nehmen alle Tage eines Kalenders (das sind ziemlich viele, aber abzählbar viele) und dann schneiden wir das mit der leeren Menge des nicht definierten Intervalls.
Sowohl nach meinem mathematischen als auch nach meinem Datenbank-technischen Grundverständnis (ok, ok, mein Vater mag an dieser Stelle ketzerische Kommentare zum fraglichen Inhalt meines großen Kopfes anbringen) kommt da einfach NIX raus.
Und wenn jetzt eine EXPLIZITE Befristung sich auf NIX bezieht, so kommen zumindest höchste Deutsche Gerichte regelmäßig zu Kunden-freundlichen Urteilen.
De-facto finden eh gerade keine Arbeiten statt, 100 Meter weiter ist der Parkplatz und es gibt schlicht keine Alternative, also ignoriere ich das mal geflissentlich !
Auch der Wegabschnitt, den ich nun erneut gehe, hat nichts von seinem Reiz des Morgens verloren und ich genieße einfach nur den Spaziergang mit leichtem Gepäck.
Kaum komme ich aus dem Wald, vernehme ich links von mir in der Wiese ein Gezeder und flinkes Umherwuseln: Augenscheinlich zwei RebhühnInnen, die dann völlig aufgebracht vor mir in den Wald verschwinden: Dabei wurden schon reihenweise ganz andere genau davor gewarnt. Dabei bin ich doch absolut harmlos, wenn regelmäßig gefüttert - beispielsweise auch mit Rebhuhn-Brüstchen mit Plizrahmsoße an Spinat-Spätzle, dazu Butter-Gemüse und bunter Salat... - ah, jetzt gehen die Gäule wieder mit ihm durch ;-)
Zurück in Aigen-Schlägl packe ich erstmal mein mitgeführtes Spezial-Equipment (Weg ist quasi T5) aus und verschönere die Österreichflagge:
Ein paar "10er" habe ich schon noch aus Wien für den Weg bis zum Nassfeld :-)
Am mittlerweile vereinsamten Auto, packe ich meinen Wanderrucksack für die nächsten Tage, verspeise die allerletzten Reste vom Wochenende von zu Hause und parkiere noch um zum Bahnhof für die spätere Rückreise.
Logistik ist das halbe Leben. Und bisher lacht dieses halbe Wanderleben schon wieder auf mich herab.
Manche fragen mich zuweilen, womit ICH das verdient habe - ich finde und fühle mich da auch in der Menge von manchen :-)
Am Ortsrand von Aigen erinnere ich mich beim Passieren der Tankstelle noch amüsiert, daß ich gestern noch für 1,859 den Tank (und den Kofferraum) des Corsas vollgemacht habe, und dann bin ich auch schon am Ortsrand, wo mir u.a. dieses Pferd in den Blick huscht, der Moment in Form eines Fotos erhalten bleibt und ich aber noch gar nichts davon ahne oder gar weiß, was da heute noch so kommen wird...
Unübersehbar bin ich jedenfalls auf der richtigen Spur und nach dem Baum geht's rechts weg und geradewegs in den zweiten Anstieg des Tages, diesmal in der Präfix-Ausprägung "Steil-" :-o
Nachdem die letzten Straßen - und damit der Großteil der Zivilisation - hinter mir liegen, wird es gemütlicher.
Hinter dem Hügel wartet schon Sankt Wolfgang. Zwar nicht persönlich, aber zumindest mit sakraler Bauweise:
Den speziellen österreichischen Humor kann ich schon auch leiden: Von wegen Steine abladen bei Strafe verboten...
Also entweder markieren die hier ihre Entsorgungslokalitäten auf ironisch-humorvolle Weise ("Mistkübel" klingt ja auch viel angenehmer als Abfalleimer) oder mit ihren Schildern meinen sie es eh nicht so ernst (DAS nehme ich mir mal für diese lästigen bis unmöglichen (RECHTZEITIG ! UMLEITUNGSFÄHIG ! RELEVANZBEWERT !) gelben Fortsperren mit) oder die Strafe hier (unweit von St. Wolfgang) ist sowas wie ein Rosenkranz pro Schuttabladung (gibt's da auch Rabattkarten ? - sorry, ich bin nun so gar nicht katholisch, sondern ein ungläubiger Lutheraner, wie heutige Altkatholiken vielleicht sagen würden).
Kommen wir von den Menschen-Fischern aus dem Neuen Testament am Weg quasi direkt zu den Fische-Fängern:
Wobei das kleine Männchen mich (Mensch ?) schon vom Weg gefischt und den steilen Abhang hinab hat steigen lassen...
Wenig (und eine Schlucht) später schlendere ich schon wieder beschwingt durch den Mischwald.
Eigentlich habe ich dann in Peilstein auch das Etappenziel am Weg erreicht, aber da dort weit und breit nichts bzgl. Unterkunft zu finden war (das wird bei ca. 50% der geplanten Übernachtungen so sein), habe ich noch ein paar Zusatzkilometer und eine weiteren Anstiegsverlängerung vor mir.
Der Motorradfahrer in klein ist da auch weder Lösung noch Hilfe, aber nett anzuschauen, auch wenn ich beim Aufstehen stöhne (NEIN, weder Joga, geschweige denn Yoga und/oder Weinen sind da an dieser Stelle eine Option: schon mal auf die dunklen Wolken am Himmel geschaut ?!).
Am letzten Übergang wartet dann noch ein ansprechendes Häuschen auf mich: Alleine das Wörtchen "Vorratskammer" zieht mich magisch an. Da ist kein Umweg zu weit. Ein Spiegel meiner Seele.
Vor dem Reiterhof, wo ich heute logiere, grüße ich zwei Frauen, die dort in Winterklamotten dick eingepackt sitzen und quatschen.
An der Rezeption ist augenscheinlich niemand, aber plötzlich vernehme ich eine Stimme aus dem off. Trotz mit ohne Hörgeräte.
Eine der beiden Damen ist wohl die Chefin und fröstelt gerade recht heftig (in ihrem gefütterten Anorak), weil sie mich im T-Shirt sieht.
Prompt bietet sie mir Sauna an. Self-Service. Ca. 20 min Aufheizzeit und noch zwei Stunden bis zum Abendessen.
Da muß ich nicht lange überlegen. Und bei der Umkonfiguriation der Parameter im UI der Anlage, erwische ich - nur bedingt zufällig - nicht nur Energiezufuhr und Licht, sondern auch die Wärmesteuerung wird von mir grundlegend überarbeitet. Quasi nur ein Test ;-)
Beeindruckend ist dann auch das Ruheraum-füllende Bergpanorama, nachdem ich den Schalter für die Hintergrundbeleuchtung gefunden hatte:
Echt nett hier: Alpenaroma-Aufguß rundet das Arrangement stilgerecht ab.
Das Menü (Fritattensuppe, Salat, Schnitzel mit Pommes) wird dann noch anderweitig abgerundet...
Und bei 18 EUR für das 4-Gänge-Menü und 2,80 EUR für großen Johannis mit Leitung, brauche ich auch gar nicht über Spritpreis-Entwicklung sinnieren: Ich lasse das Auto einfach erstmal dort in Schlägl stehen.
Eh besser: Für Gesundheit. Und Seelenheil.
Apropos Seelenheil: Die NASA hat 1 Frau und 3 Männer zum Mond geschossen. Und die Toilette ist kaputt ?
Da bevorzuge ich ja eher Kleinst-Gruppen und schwöre Stein und Bein sowie Bein in Stein, daß funktionierende Toilette und so etwas wie eine warme Dusche schon so seine Vorzüge hat.
Und zur Not, geht man/Mann halt einfach alleine...
Begegnungen:
- 4 Frauen (von denen eine blank zieht)
- ein Pärchen mit Hund (wovon sie sich vor mir in den Matsch wirft)
- 2 Rebhühner (die zeternd vor mir davon in den Wald rennen)
- 1 Falke
- 1 Buntspecht
- 4 unbegleitete Reit-Girlies (in den zwei Alterskohorten Kind/nahezu erwachsen)

















.jpg)




Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen