Samstag, 4. April 2026

Tag 02: Nebel, Niesel, pausenloses Grau

Vordernebelberg - Wesenufer
(32,4 km - 760 Hm auf - 1.170 Hm ab)

Die Chefin wollte mir am Vorabend ja noch die Geschichte vom wilden Pferd - und heute tollstem Wetter - erzählen. Aber ich bin ja (bekanntermaßen) meist eine ziemlich Zahlen-Daten-Fakten-basierte Spaßbremse. Wegen 18 Euro zu wetten, hätte sich auch kaum gelohnt - sie hätte wohl einfach den Mann wieder kochen lassen.

Jedenfalls hat sie dann doch noch den aktuellen Wetterbericht abgerufen und wir kamen zum selben Schluß.

Petrus am Morgen auch:

Es ist kalt (ca. 5°C), es ist feucht (Dauer-Niesel) und es ist grau :-(

Nachdem eines meiner Ziele ist, die frisch-imprägnierte Regenhose, selbigen Anorak und den Knirps-Schirm quasi nur zur Übung und nicht zur Einnässung selbiger auf dieser Tour mitzuführen, vergesse ich auch glatt noch den Überzieher auf den Rucksack zu machen - wobei, das Ding funktioniert eh nicht :-o

Jedenfalls starte ich mit identischen Klamotten wie am sonnigen Vortag: T-Shirt, Langarm-Shirt + Weste - nur, daß ich das heute den ganzen Tag anlassen werde.

Die 17 + 4 = 21 Varianten an Kombinationen von Regen, Wind und Kälte wechseln permanent. Permutationsmuster nicht zu erkennen. Wahrscheinlichkeiten für Veränderungen oder gar deren Art nicht abzuschätzen. Das ganze ist nicht mal die Hälfte der Antwort auf alle Fragen, auch wenn es vielleicht so aussieht.

Meine Antwort auf diese Herausforderung ist klar:

Ich nehme das ganze als Charaktertest und spiele den ganzen Tag mit Ignorieren (mental), Verdampfen (körperlich) sowie Reduzieren (Petrus-Part, der mir zuweilen mitgespielt wird). Ich werde konfrontiert mit Wendungen nach dem Motto "Wer-zuletzt-lacht..." (wenn der Regen und/oder Wind/Kälte mal wieder richtig heftig werden) und dem Versuch meiner Finger, sich ab und an durch gefühltes Absterben vom Acker machen zu wollen.

Apropos Acker: Die 30 Meter Umweg zur Teufelskanzel kann ich mir natürlich nicht verkneifen.

Wenig später habe ich dann schon wieder FAST so viel Weitblick wie der Teufel beim Blick vom Felsen ins Tal auf die Gläubigen:

Gut, Gläubige hat es ja auch immer weniger - dafür evtl. mehr Gutgläubige: Die höllische Mautstation wurde jedenfalls vom Teufel mutmaßlich mangels kommerziellem Erfolg aufgegeben.

Just um genau 09:20 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit passieren dann schräge Dinge: Österliche Erweckungserlebnisse aller Orten.

Bei mir: Ich komme nach 45 Minuten Fußmarsch (und Überschreiten des ersten Hügels) wieder (geradewegs) auf den Rupertiweg zurück um (leicht schräg) rechts abzubiegen und weiter gen Nassfeld zu stapfen. Meine Eskapade des Vortags ist damit wieder neutralisiert.

Eine andere Erkenntnis eröffnet sich mir im nächsten Weiler: HIER wohnen also diese teuflischen/höllischen gelben Schildchen (direkt neben der Ausziehleiter der EGCGA)...

Es juckt mir in den Fingern, irgendwelche netten Intervalle in die schwarzen Freist-Fenster einzutragen (z.B. Start nach Ende, negative Daten vor Christi Geburt, irgendwas mit komplexen Zahlen, ...), kann mich dann aber gerade noch beherrschen. 

Um mal GANZ ehrlich zu sein: Einziger Grund war, daß ich heute noch eine ziemlich weite/lange Strecke vor mir habe, denn schließlich ist das heute von der Entfernung her eine der längsten geplanten Frühjahrs-Etappen und mit knapp 10 Stunden AV-Norm-Gehzeit die zeitlich umfangreichste.

Tja, den Ameisberg wollte ich ja fast links liegen lassen. Und es wäre evtl. gescheiter gewesen (jetzt NIX sagen/denken !): Ameisberg klingt im Vergleich zu Bärenstein eher wie ein Fliegenschiß, irgendwie niedlich, klein, aber WEIT gefehlt: Der Anstieg ist giftig, meist in Falllinie, lang und wenn man dann oben ist: Nichts.

Naja, um näher an der Wahrheit zu bleiben: Schlimmeres...

Augenscheinlich ein privates Domizil (laut ÖAV-Führer: Ameisbergwarte und -Gasthaus seit 2017 geschlossen) :-(

Kaum oben, geht es schon wieder steil bergab und irgendwann spuckt mich der Wald auch wieder aus, um mich dem (feuchten) Nebel und Niesel wieder zu überlassen:

Vorteil: Keine großen (Sammel-)Tropfen mehr von den Zweigen.

Nachteil: Dauer-Einnässung.

Im Ort Oberkappel bin ich dann ob dieses Schildes zuerst etwas erstaunt: 

Aber als ich mich umdrehe und mein Blick der Straße folgt, erblicke ich - keinen Steinwurf entfernt - Bayern !

Ok, NIEDERbayern. Hubsi-Land. Da will man nicht freiwillig hin, also nichts wie um 180° drehen und geradewegs weg von der Grenze und wieder/weiter hinein nach Oberösterreich :-)

Im Ort überlege ich dann kurz, irgendwo einzukehren. Aber das Cafe öffnet erst um 15:00 Uhr und das Gasthaus ist etwas ab vom Weg und unklar, ob offen.

Da treffe ich eine wegweisende Entscheidung: Ich werde versuchen, bis Niederranna (geplantes Abendessen) durchzugehen...

Jenseits des Örtchens beginnt der Ranna-Stausee, der recht schmal jedoch sehr langgestreckt die ehemalige Schlucht füllt.

Der Schotterweg oberhalb des Ufers ist gut zu gehen und die Aus- und Einblicke immer wieder abwechselnd und recht nett...

Das Wetter ist weiterhin eher feucht als fröhlich, was meiner persönlichen Stimmung allerdings keinen Abbruch tut: Ein paar Cashew-Kerne und etwas Wasser habe ich mir beim Laufen unlängst gegönnt und die nassen Hängematten animieren mich auch nicht gerade zu einer Pause.

Daß ICH etwas damit zu tun hätte, kann der Pate auch nur weit, sehr weit von sich weisen: 

Dekupierte Pferde gibt es eben überall. Wird schon seinen Grund haben. Auch wenn wir ihn hier am Rande des Sees nicht sehen, sondern nur dessen Grund durch das klare Wasser.

Als ich nach vielen Kilometern die Staumauer erreiche, bin ich bass erstaunt: Der Weg wechselt gar nicht auf die andere Seite, sondern man steigt eine Wartungstreppe oberhalb der Schlucht hinab...

... und landet auf einem beeindruckenden Wartungsgang, der parallel zu einer Wasserzuführungsleitung verläuft.

Der Weg ist spannend. Mir stellenweise fast ein wenig ZU spannend: Bei der Nässe habe ich auf den Gittern ohne Seitenabschluß schon etwas die Hosen voll, wegen der Gefahr des Abrutschens, denn da würden auch die Stahlseile wohl evtl. nicht helfen und an anderen Stellen (wo ich nicht fotografieren konnte) ging es teils schon extrem hinunter...

Der Weg an sich ist traumhaft...

Irgendwann treffe ich dann doch noch jemanden.

Ist aber etwas schüchtern:

Mittlerweile habe ich den Rohrleitungspfad verlassen, aber auch der finale SchlußABSstieg kann sich sehen lassen:

Die Feuersalamander sehen hier nicht nur wohlgenährt aus, sondern die Schüchternheit läßt wohl auch nach: 

Seit den Anglern am Ranna-Stausee habe ich keine Menschenseele mehr getroffen in dieser zuweilen leicht mystisch wirkenden Landschaft...

Aber dafür werden es am Ende 8 EinzelgängerInnen von Feuersalamander sein, wobei dieser theoretisch sogar in meine Gehrichtung unterwegs war:

Allerdings mit einer nicht messbaren Beschleunigung und vom Betrag her einer Null-Geschwindigkeit.

Davon lasse ich mich allerdings nicht beirren und stehe deshalb wenig später vor der Ruine der Falkensteiner Burg:

Seit zwei Tagen folge ich nun schon dem "Falkensteiner Weg" 110:

Die "10" am Ende ist klar: Weitwanderweg 10/Ruppertiweg.

Nur die "1" am Anfang irritierte mich gestern schon. EIGENTLICH müßten wir bei einer ungeraden Hunderterstelle bekanntermaßen in den Zentralalpen sein, da die Nord- und die Südalpen die geraden Hunderter für sich gepachtet haben. Scheinbar hat man sich hier im Voralpenland allerdings entschlossen nochmal einen ungeraden Riegel vorzuschieben. Das war mir neu. Aber deswegen geht man ja auf Reise: Um neue Dinge kennenzulernen, etwas zu entdecken und zu erleben - sich nicht immer nur auf seinen Gewissheiten auszuruhen :-)

Erwähnte ich schon den abwechslungsreichen bis spannenden Weg ?

Am Ende erreiche ich aber doch die Donau:

Jetzt ist es nicht mehr sehr weit bis Niederranna, was das eigentliche Etappenziel nach meinem ursprünglichen Plan gewesen wäre. Ich muß heute aber noch ca. 3 Kilometer weiter (und mal wieder weg vom Weg).

Da es dort in der Frühstücks-Pension - Nomen est Omen - kein Abendessen gibt, möchte ich das Nachtessen (wie die Schweizer sagen würden) vorziehen: Sagen wir auf 15:05 Uhr ?

Ich bin jetzt 6,5 Stunden nonstopp ohne Pausen (und Essen) durchgelaufen. - Ist mir auch schon lange nicht mehr passiert.

Gar nicht so einfach etwas zu finden, aber man muß ja flexibel sein und wenn man sich bei der Torte zur Vorspeise nicht so recht entscheiden kann, nimmt man halt die andere Sorte noch zum Dessert - pragmatischer geht doch kaum, oder ? - Da verschreie mich nochmal jemand als dogmatisch...

Nach der Stärkung - bzw. dem vorgezogenen Abendessen - fühle ich mich zum Schwimmen zu voll und nehme die Brücke über die Donau...

Hier am Ruppertiweg 10 habe ich also nur 2 Tage bis zur Donauüberschreitung auf dem Weg gen Süden benötigt.

Letzten August, 2025 am 05er (Nord-Süd-Weitwanderweg) waren es ja noch 4 Tage: Siehe Bericht.

Nachdem ich es mit der Logik und der Mathematik ja (scheinbar) nicht so habe, überlasse ich die Interpretation den MathematikerInnen dieser Welt und verabschiede mich von jener für die Allgemeinheit für heute - nach 7 Stunden Gehzeit habe ich mir heiße Dusche mehr als verdient ;-)

Auf daß er, auch morgen noch kraftvoll zubeißen -äh- weit(er)wandern könne...


Begegnungen:

- 3 Laufenten

- 1 schwarzes Eichhörnchen (im Erdmännchen-Modus)

- 1 Feuersalamander

- 1 Feuersalamander

- 1 Feuersalamander

- 1 Feuersalamander

- 1 Feuersalamander

- 1 Feuersalamander

- 1 Feuersalamander

- 1 Feuersalamander


5 Kommentare:

  1. Flotter Schritt. Statt 10 nur 7 Stunden. Oder habe ich mich - als Nichtmathematiker - verrechnet.

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    1. Mir dünkt, da hast Du Dich NICHT verrechnet.
      Für einen ungeübten Informatiker war das schon recht flott, aber was will man machen ?
      Weniger Fotos, weniger schauen - wenn man in der Nebelsuppe eh nichts sieht oder der Sprühregen einem ins Gesicht peitscht ;-)
      Erinnert mich immer an den Berliner Höhenweg im Zillertal, Abschnitt Gamshütte - Friesenberghaus:
      4x begangen und mit Abstand am schnellsten bei 8 h Dauerregen bis ca. 200m vor dem Ziel - und dann in der Dusche fast den Haxen gebrochen :-o

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  2. Tapfer durchgekämpft durch die Schlechtwetterzelle.

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    1. Nun, böse Zungen würden evtl. behaupten, ich sei von Dir/Euch beiden gestählt worden - so leicht bin ich nicht mehr zu schrecken ;-)
      Im Ernst:
      War eine traumhafte Tour trotz der Kälte und Nässe, die am Ende aber nur an meinem Rucksack hängen blieb - den Rest hatte ich an mir abprallen oder verdampfen lassen :-)
      Die zuweilen mystischen Momente, Aus- und Einblicke hatten schon was.
      Und ich wußte ja, das Wetter würde sich bessern. Zumindest am nächsten Tag...

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  3. In dem von dir genannten Hubsiland fielen im Markt Wegscheid auf die Hubsigenossen bei der Kreistagswahl 10% auf die AfD dagegen 19% der Stimmen....also noch schlimmer...Gruselig

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