Sonntag, 5. April 2026

Tag 03: Jungfrau in Stein mit links rumgekriegt

Wesenufer - Andorf
(28,3 km - 680 Hm auf - 670 Hm ab)

Am Morgen erfahre ich beim Frühstück vom Pensionswirt (bin übrigens der einzige Gast), daß ich mit Überschreiten der Donau gestern Nachmittag auch das Mühlviertel hinter mir gelassen habe: Nun bin ich im Innviertel.

Beim Frühstück hängt noch dicker Nebel vor dem Fenster und über der Donau.

Ich trödle eine ganze Weile und als ich dann endlich starte, sieht die Welt schon wieder ganz anders aus:

Zuerst muß ich mal 1,7 Kilometer zurück zum Weg laufen und dann geht es gleich schon eine (vermeintliche) Sackgasse steil am Donausteilufer hinauf - nur um kurz danach wieder hinab zu führen.

Aber nach dem Hinab ist vor dem Hinauf. Und diesmal meinen sie es ernst !

Apropos Ernst: Nach 2 Tagen Bauchgrumeln, Kopfschmerzen, Ohrensaußen, Sehbeschwerden und Blasendrücken geht es mir JETZT wieder gut: Die Welt ist wieder im Lot. Und gerade. 

Alles ist gut: Ich befinde mich nun auf dem Weg 810. ACHT. Geteilt durch zwei gleich vier, Rest Null. Q.e.d.

Und dann behaupte jemand nochmal, ich habe leicht autistische Züge :-o

Ich habe KEINE autistischen Züge, d.h. aber nicht, daß man die Welt (unnötig) durcheinander machen muß ;-)

Der Weg ist jedenfalls - nicht nur wegen der Nummer - ein Traum:

Ich bin völlig einsam bei bestem Wetter unterwegs und sollte ich jemals das Ende dieses giftigen Anstiegs erleben, werde ich total happy sein...

Der Ausblick (von releativ weit) oben ist dann mal ganz etwas anderes:

So langsam wird das Terrain nun angenehmer, also flacher: Wo kämen wir denn da hin, wenn das immer so steil wäre ?

Ok, ok: Rhetorische Frage: Wir kämen in die Alpen. Und da führt der Rupertiweg ja auch hin ;-)

Und wo ich so DARÜBER sinniere, komme ich über eine Kuppe und der Blick gen Süden öffnet sich. Und was sehen meine alten Augen (auch ohne Brille), mir kommen Freudentränen, mein Herz ist erwärmt und ich schmelze dahin... von den im gleisenden Licht strahlenden, schneebedeckten Gipfeln der Alpen in der Ferne am Horizont (Dachstein & Co, denke ich mir). Ich bin geflasht !

Davon muß ich mich erstmal erholen...

Wiesen- und Waldwege wechseln sich heute gerade angenehm ab und mittlerweile hat es schon ordentlich über 20°.

Da lobe ich mir die Abkühlung im Wald.

Der folgende Riese sah mir fast nach einem Mammutbaum aus, aber ich bin ihm mal lieber nicht zu nahe getreten - nicht, daß der noch ausschlägt (Frühling läßt grüßen !)...

Eines (und mehreres) sei an dieser Stelle für alle Ketzer und Ungläubige ein für alle mal angemerkt:

1. Ich kann nicht fotografieren.

2. Ich mache nur Schnappschüsse.

3. Auch ein blindes Huhn findet mal einen Kaugummi.

4. Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

5. Ein Schnitt ist nichtmal ein ganzes Bier.

Weisheiten, die die Welt nicht braucht - und manchmal gibt es eben noch offizielle Versionen jenseits der Preview-Spoiler ;-)

Auf verschlungenen Pfaden im Wald ist eine spezielle Lokalität an der ehemals bayerischen Grenze (bis 1787 ?) angekündigt.

Dann sehe ich sie:

Die Steinerne Jungfrau.

Auf meine rechte Hand reagiert sie erstmal gar nicht bis abweisend, aber mit links bekomme ich sie dann doch rum und quasi um den Finger gewickelt: So wiegt sie sich im Takt meiner Führungshand.

Faszinierend.

Diese Wackelsteine...

Am Waldrand - bei meiner Mittagspause auf einer Bank - holt mich dann die Sonne nochmal ein bzw. eher der veränderte Schattenwurf und dann ist Schluß mit lustig, im Sinne von kühlem Wald und ich werde ins Feuer geworfen.

Aber besser Sonnenwärme als Höllenfeuer, wobei da mit allerlei Marterln und Kapellen am Weg schon abwehrend vorgesorgt wurde.

Leider wurde auch Vorsorge gegen Naturwege getroffen: Die restlichen 18 Kilometer der heutigen Etappe verlaufen nun fast ausschließlich auf Asphalt.

Da haben es diese Herrschaften mit den weit ausladenden Hörnern schon einfacher und kommen ganz neugierig auf Ihrer Seite des Zauns auf mich zu:

Kein Wunder, daß die kein Problem mit Extra-Metern haben: Auf Ihrer Seite des Zauns ist nicht nur das Gras grüner (ich stehe ja auf der Straße), sondern auch der Boden weicher und somit angenehmer zu begehen.

Wie das so bei mir aussieht ?

T-Shirt, kurze Hosen und Sonnenschutz.

Themenwechsel (so ein Weg bringt einen ja immer wieder auf andere Gedanken und auf ganz neue Forschungs-/Denk-Ansätze): Es gibt ja diese Theorie, daß man das Leben nicht durch die rosa-rote Brille getrachten kann.

Da bin ich jetzt anderer Meinung.

Ganz anderer Meinung.

Und das ist evidenz-basiert und kein Hirngespinst:

Ich war ja versucht, daß Fundstück zur Beweissicherung einzusacken (wie wir Österreicher an dieser Stelle evtl. meinen würden), habe mich aber dann doch - schweren Herzens - dagegen entschieden: Nicht, daß ein weinendes kleines Wesen den Weg abgeht, um das verlorene Schmuckstück wieder zu finden, und dann bin ich am Ende noch Schuld... :-o

Aber zurück zum Endspurt der heutigen Entspannungs-Etappe, nachdem der Tag gestern ja nicht so ganz ohne war. Wobei ich bemerkenswerterweise keine körperlichen oder sonstigen Beschwerden zu Protokoll geben könnte. Faszinierend: Dabei ist doch die übliche Woche des Leidens noch gar nicht um bzw. hat noch gar nicht begonnen ?

Evtl. sind die nur im Sommer im Angebot ?

Vielleicht sollte ich häufiger jenseits saisonaler Üblichkeiten unterwegs sein ?

Der letzte Anstieg des Tages führt nach Lichtegg, bevor ich dann über den Rad-/Fußweg hinab nach Andorf kullere, wo mich schon ein blinkender grüner Smiley am Wegesrand erwartet, weil ich nur 5 km/h "fahre" - schön, auch mal belobigt zu werden ;-)

Was ich mich in Andorf allerdings ernsthaft frage - nachdem ich jetzt wieder auf dem Original-Etappen-Zuschnitt ab morgen unterwegs sein werde: Welcher grenzdebile Schwachvogel hatte sich die Etappe mit 39,x Kilometern ausgedacht, die eigentlich von Oberkappel bis nach Andorf geführt hätte.

Scheinbar fehlt mir da größeres Wissen, tieferes Verständnis oder einfacher nur der Glaube.

Ich bin gespannt, was die offizielle Antwort auf meine ketzerische Frage in diese Richtung beim/vom Obmann sein wird... ;-)


Begegnungen:

- 1 Eichelhäher

- 12 Schafe

- 5 Langhorn-Rinder



4 Kommentare:

  1. Ich schau ins Manuskript und sehe "3. Etappe: Niederranna - Andorf 28 km". Aber anscheinend hat es der Kollege erst kürzlich - wohl in vorauseilendem Gehorsam - geändert, diese Version hat es augenscheinlich zwischenzeitlich noch nicht in die Druckerei geschafft...

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    1. Sehr geehrter Obmann.
      Aha, mein lautes Krakelen hat gewirkt und schon ist der Meister aller Weitwanderer auch hier ;-)
      Jetzt kann ich ja auch gestehen, daß ich 2018er-Ausgabe mit mir führe :-o
      Aber nach dem Geständnis, daß der sinnvolle Etappenschnitt noch nicht released und in freier Wildbahn anzutreffen, paßt das ja trotzdem ;-)

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    2. Und darüber hinaus:
      Bevor Sie nun etwas schreiben wie "nun geht das also wieder los":
      Selbst Schuld !
      Ich diagnostiziere eine sado-masochistische Veranlagung Ihrerseits, weil:
      1. Schreibe ich Beschwerden, tut's weh. Schreibe ich keine (mehr), wird umgehend nachgehakt, ob es mir gut geht.
      2. Folgende Etappen unter Ihrer Herausgeberschaft verantwortet
      a) > 39,x km (ich dachte ja erst an einen Tippfehler bei Ihnen)
      b) > 2.300 Aufstiegsmeter (ich dachte ja erst na einen Tippfehler bei mir)
      c) Höhenweg-Etappe, die SIE in 12 Stunden gingen. Mit DEN langen Beinen => da müssen Normalos ja mit 16-20 h rechnen :-o

      Und ja: Ich bin eine echt treue Seele: Bei guter Führung (und regelmäßiger Fütterung) wird man mich nicht mehr so leicht los: Klassisches PITA-Syndrom *lotfl* :-)

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    3. Funfact: Morgen geht das neue Führerwerk in Druck, Nachwanderer werden es also besser haben.

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