Montag, 6. April 2026

Tag 04: Auch der längste Weg hat mal ein (gutes) Ende

Andorf - Haag am Hausruck
(32,5 km - 560 Hm auf - 380 Hm ab)

Die zweite Hälfte der gestrigen Etappe steckt mir noch in den Fußsohlen mit all dem Asphalt, aber das war nur der Auftakt, heute steht die längste Etappe meines Frühlingsabschnitts bevor, also nichts wie früh rein in den Tag...

Der kleine Kerl ist in einem Nachbarort/Weiler nach ein paar Kilometern auch schon putzmunter und trabt neugierig umher sowie quasi in Serpentinen (im Flachland) auf mich zu:

Ich aber muß weiter: Über den Asphalt :-(

Kurz erhalten meine Füße dann mal etwas Abwechslung, auch wenn die Markierer hier in der Gegend mir das glatt vorenthalten wollten: Aber Dank gutem Riecher und Blick auf's GPS zur Kontrolle sollte da heute nichts anbrennen.

Und der Obmann der ÖAV Weitwanderer wird abends eine ORDENTLICH lange Liste an Waypoints zur Begrüßung von mir vom 10er bekommen, wo mal was/wie zu markieren ist.

Sumpfdotterblumen, wenn ich nicht ganz irre ?

Kurz danach dann gleich noch ein schwimmendes schwarzes, Enten-ähnliches Getier mit knall-rotem Schnabel und Übergang am Kopf: Wer Zweifel an der Begegnung hat, möge einen besseren Vorschlag posten (@Stefan: Enten/Gänse und ähnliche Bratentiere sind doch Dein Steckenpferd im Knick, oder ?)...

Die folgende Beschilderung ist dann schon auch schräg:

Die Gemeinde setzt sich quasi per Ausnahmeverfügung über den Standard (des Grundeigentümers) hinweg, also gehe ich mal SCHRÄG am Fluß (die Pram) - was auch immer das in Metern Abstand genau heißt - erwähnte ich schon mal meine Schwierigkeiten mit ungenauen Angaben ? - Am allerliebsten sind mir theoretisch quasi Künstlerinnen, die Frühstückseier NACH GEFÜHL kochen - um nur mal ein fiktives Beispiel von und für Herzrasen, Magenbeschwerden, Durchfall sowie Hörstörungen zu nennen.

In Pram (dem Ort zum Fluß - oder umgekehrt) hört die Straße augenscheinlich ein Stück weiter vorne einfach auf: Ein Fuß-/Wiesen-/Wald- o.ä. Weg kommt aber auch nicht. Das war doch wohl nicht das Werk der folgenden Taugenichtse ?

Nein, als ein ICE vorbeihuscht (zur Pünktlichkeit kann ich an dieser Stelle leider keine Bewertung vornehmen), wird mir klar, warum/wie die Straße so unterbrochen und das Dorf wie zerschnitten aussieht: Eine Bahnlinie.

Gut, daß es eine Fußgänger-Unterführung gibt. Zur Abwechslung ist die mal nicht asphaltiert. Sondern betoniert.

Nach meiner Schatzdorfer Mittagspause, bekomme ich dann einen Nachschlag. Asphalt.

Zur Kommunikation bin ich da längst nicht mehr in der Lage...

Wenn ich schon vor (und hinter mir) einen recht eintönigen Ausblick aus Perspektive meiner Füße habe (Asphalt), schweifen dafür wenigsten meine Augen wachsam durch die Gegend und hier geht mir auch mal wieder ein wahrer Sonntagsbraten (schade, daß heute (Oster-)Montag ist) in die Foto-Falle:

Hübsch ist er schon der Kerl.

Und er weiß es ;-)

So ist das mit diesen eitlen Gesellen...

Aber schmecken würde er bestimmt auch - und ob ihm DAS bewußt ist ? :-o

Zum Schwimmen ist es noch zu kalt und die Etappe heute zu lang, nasse Füße bleiben mir mangels Hochwasser auch erspart und so erklimme ich kurz nach dem See durch ein Gehöft hindurch gleich mal den nächsten Hügel.

Der Weg führt heute wirklich extrem viel per Zick-Zack sowie auf und ab. Allerdings ist auf eines Verlaß: Den Asphalt.

Immerhin wechselt in den Ortschaften ab und an mal der Untergrund zu Plaster, Platten, Beton oder ähnlichen Dingen, die zwar genauso hart für die Füße sind, aber zumindest für die Augen mal etwas Abwechslung bedeuten.

Man sollte ja nie vergessen: Das Auge wandert mit - oder wie dieses berühmte Sprichwort aus der Kloßküche heißt.

Da bleibt mir auf dem nächsten Hügel wohl nur ein Schulterzucker statt der Wolke Nummer 7...

... ich halte mich ja immer an die Dinge die angeschrieben sind - von Forstarbeiten-Sperrungen ohne Umleitung und zwei Meter vor dem ersten umgesägten Baum in einer somit quasi sehr tiefen Sackgasse vielleicht mal abgesehen.

Der Zucker hier lockert die Schulter zumindest etwas auf, was nach knapp 30 Kilometern mit dem Hinkelstein im Kreuz eigentlich auch gar nicht so schlecht ist.

Um mich vom Bodenbelag (Asphalt) mal etwas abzulenken, beschäftige ich mich mit Foto, Handy, Kommunikation, ...

... was FAST dazu führt, daß ich die unscheinbare überstumpfe Abzweigung verpasse (ca. 225°).

In der Folge schmeichelt zwar für eine kurze Weile Waldboden um meine zarten Füßlein in den schweren, bedingt-steigeisenfesten Bergstiefeln (merke: damit kommst Du ÜBERALL hin), dafür sind die Markierung hier im Zick-Zack durch den Wald alles andere als schmeichelhaft, um nicht zu sagen: mangels Existenz verpetzenswert.

Ich komme kaum noch vorwärts, weil ich entweder Protokoll für den Obmann führe oder mich eine wildfremde österreichische Nummer anruft: Aha, die Wirtin meines Quartiers.

Ob ich denn ungefähr wüßte, wann ich ankäme.

Ungefähr ? - Komische Frage.

Ich antworte, daß ich nicht ungefähr, sondern noch GENAU drei Kilometer zu gehen hätte.

Wirtin: SIE SIND ZU FUSS UNTERWEGS ???

[äh, ja, das bezeichne ich als gehen], denke ich mir

Ich habe wohl zu lange gedacht. Oder böse Zungen aus Franken (oder dem Chiemgau) haben mir einen Schabernack eingefädelt...

Wirtin: Ah, dann sind sie ja in 30 Minuten da...

[30 MINUTEN für 3 km mit dem Weitwanderrucksack - *wtf* ?]

Ich: Naja, vielleicht auch 40 Minuten...

Da wußte ich noch nichts von den Zusatzhügeln und ähnlichen kleinen Gemeinheiten, die 100% auch von diesen kleinen arglistigen Menschen aus dem Nordwesten platziert wurden, um mir eines Auszuwischen, weil ich zuweilen frech bin - sagt man (Beweise unbekannt - oder mangels Tragfähigkeit/Belastbarkeit abgelehnt).

Nun bin ich aber wirklich im letzten (Asphalt-)Anstieg und muß ein Stück an der Hauptstraße nach Haag am Hausruck entlang.

Am Ortsrand sehe ich eine komische Anlage: Nach kurzer optischer Analyse tippe ich auf ein Mischwesen aus Geriatrie-Golf - Papamobil - Sommerrodelbahn:

Scheinbar fährt das Ding (also jede einzelne Kabine vereinzelt) geradewegs Fallinie den Berg hoch und kommt dann in Bögen wieder herab.

Komische Sache.

Noch komischer (im nun echt schmerzhaften Asphaltsteilabstieg im Dorf) der Brunnen, der nur in rostfreien Zeiten Wasser spendet, wie mir ohne Hörgeräte und Brille, ganz ohne Plätschern hier vermittelt wird:

Sieht nicht sehr rostfrei aus.

In meiner Unterkunft ist essensfrei. Das ist aber auch nicht so gut.

ABER: TATSÄCHLICH (nicht augenscheinlich oder gar scheinbar) hatte ich vorhin am Telefon so eine Art Mutterinstinkt oder ähnliches geweckt, denn die Chefin hat schon mal den ganzen Ort abtelefoniert, wo ich denn etwas zwischen die Kiefer bekommen könnte.

Heute ist nämlich Montag, Ostermontag sowie Feiertag und neuerdings ist das augenscheinlich nicht mehr so einfach wie früher, sondern komplexe Fallunterscheidung nötig:

1, Lokale haben zu, weil montags Ruhetag.

2. Lokale haben zu, weil Ostermontag wie Sonntag behandelt wird und sie sonntags (SONNTAGS !) zu haben: Hier abends, in Erlangen in einem Frühstücks-Cafe am Lorlebergplatz zum Frühstücken am Morgen (Herr, schmeiß Hirn vom Himmel !).

Jedenfalls gibt es genau EINE Lösung:

3. Ein kleines gallisches Lokal hat immer offen, insbesondere wenn alle anderen zu haben.

Und dort hat die Wirtin sich zur Sicherheit auch sicherheitshalber nochmal extra versichert, daß der arme Wanderer auch (noch) was bekommt.

Kleiner Haken:

Nein, nicht die Sonne, sondern die 1,5 Extra-Kilometer (muß ich es nochmal extra erwähnen: über Asphalt) und 60 Aufstiegsmeter (und schlimmer die 60 hinterher wieder bergab - über den Asphalt), denn das Lokal ist oben an der Bergbahn am Ortsrand, wo ich just vorbeigekommen war :-o

Aber, ich darf mich nicht beschweren: Wie ich am nächsten Morgen beim Frühstück (von schockgefrorenen, aber hellwachen Gästen und Wirtsleuten) erfahren werde, war ich der letzte Mensch, der heißes Wasser hatte (und zwar ALLES davon), bevor Heizung den Dienst versagte (mafiöse Störstrahlung ?).

Außerdem hatte ich den besten Burger der letzten 10-20 Jahre: Komplett hausgemacht, extrem saftig, tolle Soße, frischer/knackiger Salat, Grillgemüse, Gurken, ... einfach ein Traum.

Nachdem ich ja sonst eher so der Grumeltyp bin (wie heißt es über die Franken: nicht geschimpft, ist Lob genug), drücke ich mich - zur Überraschung der Menschheit - mal explizit positiv aus, mit einer SEHR unerwarteten Konsequenz: Einerseits zahle ich bar (damit für den Wirt mehr übrig bleibt) und als ich neben den Scheinen noch ein paar Münzen dazugeben möchte, winkt der Chef ab: "Das genügt und Du mußt Deine Reisekasse schonen !"

Ok, DAS ist mir auch noch nicht passiert !


Apropos schonen bzw. eigentlich das Gegenteil: Das böse <T-Wort, was auf Fränkisch so klingt wie Entleeren auf Englisch - und da ist noch gar nicht nach dem Sinn gefragt>...

Nach Tag 4 heute bin ich mir ja eigentlich (mal wieder) sicher, daß ich meinen aktuellen Ausflug (planmäßig) meistern werde: Es geht mir blendend, auch wenn die letzten 50 Kilometer auf Asphalt nicht so prickelnd (oder zu sehr prickelnd für die Fußsohlen) waren, so kann ich mich doch von Anfang an über keinerlei muskuläre Beschwerden, Probleme mit meinen maladen Knien, Sehnenärger, Rücken oder mangelnde Ausdauer beklagen: Heute war ich sogar noch 15 Minuten kürzer (zeitlich) unterwegs als bei der (entfernungstechnisch) kürzeren Etappe an Tag 02. Und das TROTZ all den Ablenkungen und vor allen Dingen Verletzung meiner goldenen Weitwander-Regel: Essen, Trinken, Schlafen. - Momentan laufe ich da gewissermaßen im 50%- und nicht im Ausreichend-Modus (obwohl das ja in manchen Lebensabschnitten mal dasselbe war) ;-)

Wenn ich aber just in einem dieser Ratgeber-Artikel wieder lese, was/wie man alles <Verb des bösen t-Wortes> muß, um ein wenig wandern zu gehen: 20-26 WOCHEN vorab <böser T-Plan> - jetzt mal nur kurz für die Dummen: Um im Juli sowas wie München-Venedig, den Nord-Süd-Weitwanderweg oder auch hier den 10er Rupertiweg zu gehen, fängt man im JÄNNER mit Kraft und 5-10-km-Wanderungen an ? - Nachdem es bei uns keinen Jänner gibt, bin ich vermutlich in all den Jahrzehnten immer einfach bereits am Einstieg von der Kanapee-Nordwand her gescheitert - zuweilen sind die naheliegensten Erklärungen am Ende plötzlich die, die am meisten einleuchten...

Ich glaube ja, diese KI-Bots haben mittlerweile ein Eigenleben, denn bekanntlich existiert mittlerweile schon längst deutlich mehr maschinengenerierter "Content" als Fakten von Menschen. Degenerierung, kann ich da nur sagen. Und zwar bei der Maschine und bei (vielen) Menschen...


Begegnungen:

- 1 Fasan (m)

- 4 Rehe

- 1 kleiner Esel

- 4 ältere Einheimische auf einen Feiertags-Ratsch

- 5 (Oster-)Hasen auf dem Feld

- 2 Hasen

- 1 Teichhuhn/Teichralle (schwarzes Schwimmtier mit knall-rotem Schnabel)

- 1 Falke

- 1 Buntspecht

- 1 Fasan (m)


2 Kommentare:

  1. Hab mal Tante Google gefragt. Bei der komischen Bahn handelt es sich um eine Sommerrodelbahn, allerdings mit geschl. Kabine habe ich die auch noch nicht gesehen…

    Wird aber nächstes Jahr abgerissen, zwecks mangelnder Wirtschaftlichkeit...

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    1. Das verwundert kaum: Die Alterskohorte 70+ wird zwar immer umfangreicher und tendentiell fitter, allerdings ist die Frage, ob die rein Ersteren dann für Action-light zu haben sind.
      Und letztere - zumindest so der Marianne-Karnischer-Höhenweg-mit-fast-82-Jahren-Typ - würde mißbilligend kopfschütteln lieber den Berg selbst hochstiefeln.
      Danke Gabi für die erhellende Aufklärung,
      K2 :-)

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