Freitag, 10. Juli 2026

Tag 22: Willkommen, meine Zentralalpen

Goldeckhütte - Spittal an der Drau - Lendorf
(19,4 km - 180 Hm auf - 1.500 Hm ab)

Ein herrlicher Morgen nach einer Nacht mit ganz viel erholsamem Schlaf beginnt mit der netten Chefin und einem grandiosen Frühstück.

So kann Hütten-Leben auf einer Weitwanderung sein. Fast wie Urlaub.

Als ich mich dann um 09:00 Uhr denn doch mal verabschiede, kommt bereits an der ersten Biegung die Vorhut des Abschiedskommandos entgegen:

Frühaufsteher oder unerlaubte Wild-Biwakierer ?

Sehr bald kann ich auch schon einen ersten, heute kaum von Wolken gesäumten Blick gen Nordwesten, hinüber in die Reißeck-Gebirgsgruppe werfen:

Da will ich hin. Schließlich habe ich gleich nach dem Frühstück die dortige Hüttenbelegschaft bzgl. meines geplanten Erscheinens am Folgetag in Kenntnis gesetzt. Dazu muß ich jetzt aber erstmal ordentlich absteigen.

FAST wäre das schief gegangen und jäh in einem Unfall geendet: Ich bin zwar auf der größeren Straße und komme von rechts, aber die Gams stürmt voll ungebremst mit vollem Karacho in die Kreuzung ein und schaut dann erst nach links und rechts. Als sie mich sieht, gibt sie noch etwas mehr Gas bei Ihrer Querung, so daß wir beide gerade noch so einer Kollision entgehen.

Das wäre ja peinlich gewesen: Schnecke bei Crash mit Gams schwer verletzt. Manchmal ist es gar nicht so schlecht, nicht ganz so schnell zu sein. Und man sieht mehr von der Umgebung bzw. Natur...

Im Bereich der alten Mittelstation - die moderne Umlauf-Gondelbahn verläuft auf einer ganz anderen Trasse - stoße ich dann wieder auf ein paar Lost Places (ähnlich wie gestern an der Goldeck-Alm, allerdings nicht ganz so trotstlos):

Die Forststraßen werden immer nur kurz verwendet, überwiegend habe ich einen wunderschönen Single-Trail-Waldweg vor mir.

Zwischendurch an einer kleinen Lichtung mal aufgelockert durch ein schnuckelige Hütte:

Nur bzgl. der 910 bin ich erstaunt:

Frage an die Experten: Welche Gebirgsgruppen in den Südalpen haben den 900er-Nummern ?

Als ich unten im breiten Drautal ankomme und zur Querung hinüber und dann durch Spittal an der Drau ansetze, komme ich an diesem kleinen Häuschen vorbei, was fast so alt wie ich ist:

So, so, ein "Schülerwartehaus": Gut, daß wir das P-Seminar gestern bereits abgeschlossen haben, nun wieder beim Standard-Kurrikulum sind und diese Schüler ? - Und wenn sie nicht gestorben sind, dann warten sie wohl noch heute. Oder - um Himmels Willen - spuken hier zur Geisterstunde in dem Häuschen, aus dem sie wartend nicht rauskommen :-o

Egal, ich werde es nicht erleben, sondern zu diesem Zeitpunkt bestimmt wieder selig schlafen, rechtschaffen ermüdet von ungewohntem Sauerstoff in Kombination mit hellem Licht sowie unüblicher Bewegung.

Das Zentrum von Spittal wirkt fast ein wenig mediterran...

Recht schnell - mangels interessanter Angebote am Weg (nein, ein Museumsbesuch wäre zwar zur Abkühlung vielleicht nicht schlecht gewesen, steht gerade aber nicht auf meinem Interessen-Speiseplan) - durchquere ich Spittal gen Norden und befinde mich just schon wieder in einem Aufstieg. Auf Asphalt. In der prallen Sonne. Steil.

Trotzdem erreiche ich ohne Verwundung den Fünfwundenweg, wo sich wieder eine Markierung findet und direkt in den schattigen Wald führt:

Apropos Wegweiser: 510 !

Gerade Hunderterstelle !!

Ich befinde mich nun also nicht mehr in den Süd-, sondern bereits in den Zentralalpen und wenn alles weiter nach Plan läuft (erwähnte ich schon mal ganz spontan, daß ich Pläne liebe - insbesondere, wenn sie aufgehen ?!) werde ich in drei weiteren Wandertagen bereits auf der Höhe des Alpenhauptkamms übernachten.

Vorher darf ich hier im Drautal noch auf einem Höhenzug gemütlich durch den Wald spazieren:

Könnte schlimmer sein, der Weg zum heutigen Quartier etwas abseits des Weges (oweia, denke ich mir auf dem letzten Kilometer im Steilabstieg auf einer Straße: da muß ich morgen Früh zum Einstieg gleich wieder hoch !) in St. Peter im Holz, einem Ortsteil von Lendorf.

Das urige alte Haus, mit der tollen Haustür und der angenehmen Kühle im Inneren ist klasse und auch das Schild am Eingang zaubert mir gleich mal wieder ein Schmunzeln ins Gesicht:

Ja, ja, die Schnecken: Auch sie haben es RECHTZEITIG in die Arche geschafft, sonst gäbe es sie heute nicht mehr.

Könnte das ein Lebensmotto für mich sein ? ;-)

Sowohl in meinem Zimmer "Klimt" (mit Kachelofen !) als auch vor der Tür in lauschigem Ambiente läßt es sich richtig gut aushalten und vorzüglich speisen...

Die Kärntner Nudeln, die in allen möglichen herzhaften und süßen Variationen ungefähr die Hälfte der Speisekarte ausmachen, sind hier wohl besonders bekannt und beliebt.

Im modernen Sanitärbereich meines Zimmers erhalte ich von der Chefin glatt noch eine Einweisung in die Dusche (nur wissenschaftlich/theoretisch, nicht praktisch):

Erinnert mich irgendwie an Omegna, südlich des Lago Maggiore, wo ich auch eine High-Tech-Dusche hatte, allerdings ohne mehrseitige Bedienungsanleitung oder gar Einweisung (Graz - Monaco, 2014: Tag 060).


Begegnungen:

- 1 kecke Kuh

- 1 Auerhahn ? - oder was gibt es sonst für braune Vögel in den Bergen, vom Körper deutlich mächtiger als Fasan und ebenfalls schlecht beim Schnellstart ?

- 1 Gams

- 1 Libelle

- 3 Schafe

- 1 Buntspecht


Donnerstag, 9. Juli 2026

Tag 23: P-Seminar Mathematik, Primar-Stufe++

Techendorf - Goldeckhütte
(22,8 km - 1.720 Hm auf - 740 Hm ab)

Die heutige Etappe im Original weist eine Gehzeig von knapp 12 Stunden nach genormter AV-Formel auf.

Das ist zu viel für einen undrainierten Schreibtischtäter wie mich, dessen alltägliche Wege sich zwischen dem Schreibtisch im Home-Office und der Kühe/der Teoilette/dem Schlafzimmer bewegen - immerhin sorgt der reduzierte Sauerstoffgehalt für eine leichtere Höhenanpassung, nachweislich bis 5.200 Metern.

Früher war mein übliches - wenn auch zuweilen von meiner geneigten Mitmenschheit mit einem Naserümpfen non-verbal kommentiertes - Vorgehen ja, solche Etappen zu meistern, in dem ich sie in maximal 10 Stunden gegangen bin, weswegen das dann logischerweise kein Problem mehr darstellte.

Aktuell ist mir aber ein Rat aus Mathematikern und Physikern irgendwie auf die Spur gekommen und die schauen sich das augenscheinlich (lieber Gert) genauer an, wie ich fürchte.

Jetzt war guter Rat teuer: Da ich ein Zahlenmensch bin (und K/AI nicht so über den Weg traue), habe ich das Problem mal in eine Tabellenkalkulation eingegeben - für die Nicht-Informatiker: das ist sowas wie Excel, nur daß man da rechnen läßt, nichts malt, keine Screenshotsammlungen drin anlegt und auch keine grafischen Re-Prints von Zahlenwerken in Präsentationen als Bilder einfügt (ich weiß, ich bin schrecklich altmodisch aber OLE [Object Linking & Embedding] wurde bereits in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre mit Windows 3.1 eingeführt - ok, Du hast Recht, ist für uns/Euch alle Neuland, Angie). 

Jedenfalls habe ich dann so lange an den Zahlen gespielt, bis das plötzlich (in der c-Variante) gar nicht mehr so schlecht aussah: Die Mathematik sagte 1/4 gesparte Gehzeit + 1/5 weniger Aufstiegmeter, also in Summe quasi 1/9 weniger voraus, was aber ja gerade mal 11% sind :-o

Neuer Ansatz: 20% weniger Aufstieg + 25% reduzierte Gehzeit = 45% Ersparnis gesamt.

Ja, das klingt gut, laßt uns losgehen...

Aber Moment, so früh komme ich gar nicht los, denn mein bester Freund aus Kärnten (und der kennt sie ALLE, die österreichischen WWWs) hatte wohl mal wieder mitten in der Nacht zu allem Überfluß eine seiner typisch kryptischen Mails geschickt. Mir. Wo ich doch mit sowas immer gar nicht klar komme: Wann ich denn auf der AvS-Hütte wäre...

Mmmh, mir war zwar bekannt, daß auch Österreich zum Ende des Ersten Weltkriegs Hütten auf dann italienischem Boden verloren hatte, die heute teilweise vom Alpenverein Südtirol (AvS) betreut werden (Eigentümer seit den 1960er im Zuge der Teilautonomisierung: das Land Südtirol), wie beispielsweise die Wiener in der Steiermark dann einen Ersatzbau hochgezogen haben in Form der Edelraute-Hütte (Zentralalpenweg/WWW02, 2017: Tag 19) statt der verlorenen Edelraut-Hütte (Zentralalpenweg/WWW02, 2017: Tag 51), wo ich dann damals in 2017 Snail-Mail/Schneckenpost per Bote persönlich von Wirtsleuten zun Wirtsleuten überbrachte (immerhin: 32 Tage dürfte schneller als mit der italienischen Post gewesen sein !).

Aber, daß der AvS in Kärnten aktiv wäre ?!

Ok, der Kerl meinte das Arthur-von-Schmid-Haus am kommenden Sonntag und ist damit Schuld, daß ich erst um 08:32 Uhr mich auf den Weg machte.

Ein Weg unter Auslassung des ersten Hügels und stattdessen einer Art Diagonaleinstieg, wobei ich ratzfatz (unbeabsichtigt) in Planungs-Variante b (statt c) lande, was aber nur ein Paar Kilometer mehr sind.

Der Blick zurück auf den Weissensee ist traumhaft:

Unterwegs passiert mich im Aufsteig auf der Forststraße ein Biobiker. Auch als schwerhöriger Nicht-Fahrradkenner erkenne ich die am Berg sofort: Biobiker sind die, mit denen man da als Wanderer mit 15-Kilorucksack noch halbwegs mithalten kann.

Hängt natürlich von Steigung, Untergrund und Fahrkönnen ab: Es soll auch schon welche gegeben haben, die haben ob des Schalk/heißen Atem im Nacken, keinesfalls mit Psychoterror zu verwechseln (das waren 2021 ja nichtmal meine aktuellen Klapperstöcke) aufgegeben (siehe E1-DE, 2012: Tag 51).

Der vierbeinige Begleiter des Radlers hat mir jedenfall eindeutige Richtungsanweisungen als Spuren im Staub hinterlassen:

Da darf man nur nicht zu langsam sein bzw. muß darauf hoffen, daß es stark bewölkt bleibt (und nicht so heiß wird) ;-) 

Noch vor der Alm "Hinterm Brunn, finde ich einen der alten AV-Wegweiser (weiß, mit schwarzer Schrift), wo Zubringer zum 210er/Rupertiweg avisiert wird:

Ich bin also nicht der einzige, der jemals auf diese Idee gekommen ist - und sie ist ja quasi damit sogar offiziell unterstützt ;-)

Ich glaube ja an Wegweiser. - Das wird sich heute später noch als Problem erweisen :-o

Woran ich allerdings NICHT glaube, ist IRGENDEINE Sinnhaftig- bzw. ausreichende Notwendigkeit DERARTIGER Konstruktionen:

Dem im Schweiße seines Angesichts geschuftet habenden Erbauer, möchte ich mal meinen Rucksacke geben und dann soll er da mal durch: Limbo ist nix dagegen.

Und es gibt so einfache Lösungen: 1x in die Schweiz schauen. Weniger Material. Universell einsetzbar. Wenige Minuten Installationsaufwand. Für Wanderer UND Radfahrer [fahrend] geeignet...

Nun ja, ich komme irgendwie durch und schon nach wenigen Minuten ist der Ärger vergessen, denn ich komme hinauf gen Zihagas auf einen richtigen tollen Wegabschnitt: Single-Trails, frisiert wie in Südtirol. D.h. links und rechts des Weges mindestens nochmal die Wegbreite das hohe Gras gestutzt, so daß man keine nassen Hosenbeine bekommt:

Ob das mit der AvS-Frage am Morgen hier in der Gegend evtl. doch einen ernsteren Hintergrund hat ? Ob in irgendwelchen dunklen Kärntner Kellern arme südtiroler "Gast"arbeiter zwangsinterniert sind und für diese akkurate Pflege heran- ja gar nachgezogen werden ?

Puh, starker Tobak !

Von solchen Gedanken muß ich mich in der Einsamkeit erstmal mit steil bergauf und weit in die Ferne blicken ablenken.

An der Zihagas-Wegkreuzung treffe ich auf meine Planungs-Variante c, welche die kürzeste für den heutigen Tag gewesen WÄRE, wenn ich denn am Morgen genauer aufgepaßt HÄTTE.

Aber ich bin nun schon gut zwei Stunden unterwegs, also höchste Zeit für eine kleine Pause, aber was sehen meine Augen da am Fuß des Baumes...

Wie so oft auf Weitwanderung realisiere ich mal wieder einen Cache-Fund (ohne zu Suchen) :-)

Kurz danach erscheinen von meinem c-Aufstieg her drei Tageswanderer, wie scheinbar noch unschlüssig sein, wie/wo es für sie weitergehen soll - ich komme wohl aus der "falschen" Richtung, weswegen ich auch keine große Hilfe bin.

Schon wenige Minuten nachdem ich mich wieder losgemacht habe, treffe auf einen ganz anderen Zeitgenossen: Eine große schwarze Schlange :-o

Wir einigen uns innerhalb kürzester Zeit (sind ja keine Trump-Unterhändler anwesend) auf unentschieden und jeder zieht in getrennte Richtung von dannen...

Zwischendurch kann ich schon einen Blick auf eines meiner Tageszwischenziele erhaschen:

Nein, über die Gipfel muß ich heute nicht, aber an der Eckwand wird es später querend entlang gehen.

Womit wir einige Zeit (und eine Mittagspause, wo mich die drei Tageswanderer gleich wieder einholen) später auch schon beim Thema wären:

Das oben ist schon der Ausstieg, wo mir die Knie nicht mehr so schlottern und die Fotoaufnahme unverwackelt scharf gelingt.

Wobei ich seit der beinharten Tour vom Vorjahr im Rahmen des Events auf der Rotgüldensee-Hütte ja etwas abgehärterter bin: Nie im Leben dachte ich daran, mal über die Schrovinscharte zu gehen, aber nachdem damals Alex und Gabi aus dem Chiemgau sich meiner angenommen hatten...

Daran denkend steht ich dann auch schon auf meinem ersten 2.000er-Übergang nach nunmehr insgesamt bereits 10 Tagen in diesem Jahr am Rupertiweg unterwegs: Am Eckwandsattel.

Als nächstes folgt ein etwas längerer Abstieg und dann eine Querung in Almgelände bis hinüber zur Gusenalm: 

Habe ich vor der Alm mich noch über einen anscheinend fehlenden Wegweiser geärgert - die Alm war nämlich hinter der nächsten Biegung noch versteckt, bin ich dann am Zaun der Alm erstmal abgelenkt:

Ja, ja, ich Schnecke !?

Mit den 45% Ersparnis, sollte der Benchmark für mich ja bei 55% der Norm-Gehzeit liegen, was 6,5 Stunden wären. Mal sehen, wie lange die Schnecke mit dem Hinkelstein auf dem Buckel heute braucht...

Von oberhalb der Alm bestaune ich erst nochmal den Aufschluß des Gesteins mit den Schichten am Steilhang gegenüber, bevor ich die Diskrepanz zwischen aktuellem Weg und GPS-Planung realisiere.

Das geht gerade um 90° im rechten Winkel auseinander - irgendwas paßt da nicht :-o

Ich steige sogar nochmal extra zur Alm hinab, aber die neu aussehenden Wegweiser dort sprechen eine eindeutige Sprache zwecks Weg 210 und in die andere Richtung zeigt interessanterweise GAR KEIN Wegweiser, obwohl da deutlich sichtbar Farbmarkierungen sind.

Nun ja, im Zweifel entscheidet man sich im Praxis-Seminar (P-Seminar) halt wohl eher weniger für die (graue) Theorie von zu Hause (wäre vielleicht eher was für ein wissenschaftlich geprägtes W-Seminar), als für die sichtbare Ist-Wegweisung in der Realität.

Etwas spanisch kommt mir das aber schon vor: An der nächsten Alm gibt es gar keine Wegweiser in die drei möglichen Richtungen und Farbmarkierungen habe ich ebenfalls lange keine mehr gesehen.

Da ist doch etwas faul im Staate Dänemark.

Aber an der Goldeck-Alm gibt es neben Lost-Places auch nochmal gelbe Wegweiser.

Danach, auf dem Parkplatz für ca. 100-150 Autos bin ich endgültig verloren.

Mysteriös. Ich schlate das GPS-Gerät auf Routing um und kämpfe mich dann, teils auf unmarkierten Pfaden, auf Wegspuren wie im hochalpinen Gelände, auf Kuhwegen oder auch querfeldein nach oben.

Bis ich schließlich kurz vor dem Goldeck-Gipfel doch mal wieder eine Markierung und ein Schild finde:

Der Weg zur Goldeckhütte ist ab da ein Kinderspiel und auch gar nicht mehr weit, denn die Hütte sitzt auf einem Buckel nur gut 100 Höhenmeter tiefer:

Kurz nach 17:00 Uhr erreiche ich die kleine, gemütlich und erst vor drei Jahren renovierte Hütte mit ihren 15 Schlafplätzen, wobei ich der einzige Übernachtungsgast bin:

Nach 7 Stunden Gehzeit habe ich die Goldeckhütte erreicht: +0,5 Ist-Stunden zu der (phantasievoll) berechneten Soll-Zeit: Schnecke ! Sagte ich doch !!

Aber Geschwindigkeit ist keines meiner Ziele !

Wofür auch ?

Die heiße Dusche ist unlimitiert inklusive und der Schweinebraten schmeckt nach einer kleinen Topfenstrudel-Overtüre einfach sau-gut:

Insbesonder das Kraut ist eine Wucht !


Gipfel/Übergänge >= 2.000 m:

- Eckwandsattel (2.060 m)

- Übergang am Goldeck (2.054 m)


Begegnungen:

- 1 Bio-Biker mit Hund

- 3 Tages-Ausflügler (mit einem Rucksack - zu dritt)

- 1 schwarze, sehr scheue Schlange, ca. 80-100 cm: mutmaßlich schwarze Ringelnatter (Melanismus)


Mittwoch, 8. Juli 2026

Tag 24: Die heiße Ruhe vor dem großen (An-)Sturm

Jadersdorf - Techendorf
(13,1 km - 680 Hm auf - 430 Hm ab)

Gestern hatte ich ja bereits die ersten 6-7 Kilometer der heutigen Etappe erledigt und mein Quartier wird in den südlichen Ausläufern von Techendorf, also noch vor dem Zentrum liegen, so daß auch hintenraus bereits im vorhinein der Planung etwas abgeknappst wurde: Das dürfte also eine sehr kurze Etappe werden.

Apropos Planung: Ich habe diesmal wirklich bereits 3,5 Tage vor dem Start mich um Unterkünfte gekümmert und den Etappenschnitt mal festgelegt. Am letzten Wochenende hatte ich nämlich noch andere Dinge im Sinn und man will ja Urlaub und keine Hektik.

In diesem Sinne spaziere ich sehr entspannt gen Nachbarort St. Lorenzen.

Dort soll der Wanderweg abzweigen - zumindest laut GPS.

Und merke: Nicht vorhandene Weg-Taferl kann man weder mit Edding sinnstiftend zusatzbeschriften noch mit den netten Aufklebern pimpen, die mir der Obmann im März bei der Hauptversammlung mitgegeben hat - für FÜNF österreichische Weitwanderwege, also einige 1.000 Kilometer. Der (große) Typ scheint noch GROSSES mit meinem Typ vorzuhaben :-o

Trotz der suboptimalen Markierung finde ich den Einstieg in den einsamen Weg bergauf und richte erstmal einen umgestürzten Markierungspfosten wieder auf.

Die Fundstücke am weiteren Weg geben mir dann aber ein wenig zu denken...

... aufgespießte Schädel und herrenlose Schuhe...

... warum fallen mir plötzlich die Rosenheim-Cops ein ("mir hättn da a mol a Leich") :-o

Als dann irgendwann doch wieder gelbe Wegweise auftauchen, beginne ich mit dem Hauptteil meines heutigen Tagwerks: Edding rausholen und nachbeschriften:

Am Ende werde ich ca. 15-20 Taferl ergänzt haben, 10 weitere hatte vor mir schon jemand mit Edding um 210 und/oder E10 erweitert. Wenn es so weitergeht - und weitere Wanderer unserem Beispiel folgen - werden die Tafeln hier mal alle relevanten Infos aufbieten - kann nur noch ein paar Jahre dauern.

Apropos 210: In Hermagor am Vortag war die Grenze zu den Karniern/den Karnischen, wo ich nämlich noch auf dem 410 unterwegs war. Neue Gebirgsgruppe, neues Glück.

Besonderes Glück hatte der Wald hier augenscheinlich nicht, denn viel steht nicht mehr:

Sieht mir fast wie am E1 in NRW aus, wo der Borkenkäfer ganze Hügel von Fichten-Monokultur-Wald in Mondlandschaften, soweit das Auge blicken kann, verwandelt hat.

Was ich heute sehr viel (in Zahl, Farben und Formen) treffe, sind Schmetterlinge, nur um mal ein Besipiel zu geben:

Die Menschen machen sich dafür bis kurz vor dem Übergang an der Naggler-Alm absolut rar, aber da könnte mir schlimmeres passieren.

Auf der Alm kehre ich für ein erfrischendes Getränk im Schatten kurz ein und was mir dabei im Vergleich zu gestern an der Kühweger Alm auffällt: Der industrielle Selbstbedienungsbetrieb im großen Stil scheint deutlich aufwändiger zu sein als der Kleinbetrieb mit Bedienung. Zumindest wenn ich mir die Preisgestaltung exemplarisch am Norm-Gehackerten-Brot ansehe (Buttermilch gibt's hier natürlich nicht und sonst habe ich mir von gestern nix gemerkt).

Statistiken zeigen ja, daß von 2019 bis 2026 die Inflation in Gastronomie und Hotelerie weit jenseits der sonstigen Inflation und bei ca. 50% über einen Zeitraum eben von 7 Jahren liegt.

Interessant ist hier jetzt die inner-kärntnerische Inflation von 100%, die sich über einen Zeitraum von 1 Tag und ca. 25 Kilometern Distanz im Raum-Zeit-Kontinuum ergibt. Faszinierend.

Ebenfalls etwas schräg finde ich das folgende (unbegründete) Schild an diesem Traum an Single-Trail:

Erst habe ich keine richtige Idee, aber später wird sich mir die Sache schon noch erschließen...

Aber erstmal wegen von Forst-Wegen/-Straßen und zurück in die Einsamkeit des Waldes.

Einige Zeit später komme ich auf eine Skipiste. Und ich sehe den Sessellift. Mit den Mountainbike-Halterungen.

Jetzt wird mir einerseits klar, warum da oben an der Naggler-Alm so viele Menschen waren UND was es mit diesen abgesperrten Trails auf sich hat: Wie damals in Südfrankreich (Graz - Monaco, 2014: Tag 100 und nochmal Wien - Nizza, 2023 Tag 74).

Die Skipiste ist gar nicht so schlecht: Alles grün, keine Wanderer oder Downhill-Mountainbiker weit sowie breit und man hat mal richtig Ausblick:

Da unten sehe ich schon den Weissensee, einem der höchsten Kärtner Badeseen und DAS winterlich bekannte Kältloch, wo seit Jahrzehnten die Niederländer ihr traditionelles Grachtenrennen auf dem Eis austragen - lieber 1.000 Kilometer zu Fuß, als 1.000 Millimeter auf Schlittschuhen, aber das ist nur meine subjektive Meinung. Einem jeden Tierchen sein Plaisierchen :-)

Vor den Rest des sonnigen Tages haben die Routenplaner dann noch ein Stückchen finsteren Wald geplant, aber der ist schnell durchschritten.

So erreiche ich schon bald die südlichen Ausläufer von Techendorf.

Heir war die Quartiersuche nicht so einfach: 200-500 EUR für eine Nacht (unverschämt) OHNE Frühstück (beleidigend) wurden hier die Tage in den verschiedensten Massentierhaltungs-Etablissments aufgerufen.

Hallo ?

Manche halten mich ja für einen komplizierten Menschen. Andere geben mir an einem Montag Morgen 6 kalte Pellkartoffeln (sowie eine Scheibe Brot zum Tunken am Ende) und 1,5 Tage durchgezogene marinierte Herringe zum Frühstück.

Ergebnis: Ich meckere nicht (eigentlich sage ich dann (selig) kauend genau gar nichts), nehme den nächsten Bus auf die andere Seite der Alpen, so daß man nicht nur in Franken, sondern in allen deutschen Mittelgebirgen bestimmt die nächsten 1,5 Wochen Ruhe von mir hat (Grüße in die Pfalz an dieser Stelle).

Apropos marinierte Herringe zum Frühstück: Da fällt mir gleich noch die SüWie bzw. damals offiziel Südwiener Hütte bei Obertauern ein, wo ich das erst für Birchermüsli hielt (Zentralalpenweg/WWW02, 2017: Tag 33).

Schließlich wurde ich vorab aber südlich des Sees doch noch mit einer Unterkunft mit erträglichem Preis-Leistungs-Verhältnis fündig.

Da kehre ich dann gleich mal auf ein Süppchen und ein Getränk ein und wundere mich schon etwas über die vereinzelten Regentropfen, mein eigentliches Problem ergibt sich dann aber erst nach dem Zahlen und der Quartierzuweisung an der Rezeption: Ich werde mit einem Elktrokarren gen Norden über die Brücke ins Zentrum jenseits des Wiessensees in eine ganz tolle Unterkunft gekarrt, wo es am nächsten Morgen auch ein ganz tolles Frühstücksbuffet geben wird.

Problem: Mir fehlen 500 Meter :-o

Das geht ja gar nicht...

Aber, dumm darf man sein, man muß sich nur zu helfen wissen: Ich suche mein T5-Spezial-Equipment aus dem Rucksack, warte den nächsten Regenschauer mit ca. 1.000 Tropfen beobachtend an MEINEM Balkon ab und dann mache ich mich auf ohne Socken...

Mit den härtesten meiner Schuhe - seit ca. 15 Jahren im Einsatz, ohne daß das Profil erneuert werden müßte (bei meinen Bergstiefeln ist nach maximal 2.000 - 3.000 Kilometer Neubesohlung fällig und nach weiteren spätestens 2.000 sind sie dann in der Regel am Ende, weswegen ich ein ordentliches Sammelsurrium an Stiefeln mittlerweile zu Hause habe) - mache ich mich also auf den Weg zum numerischen Lückenschluß (Ausgleichswege statt - Flächen, ich bin ja eher etwas eindimensional gestrickt) am WWW10:

Und dann stehe ich an MEINEM Anleger, mit MEINEM Strand...

Auf meiner Seite des Sees bin ich irgendwie völlig alleine und richtig erfrischend gut ist es:

Wenn ich da dagegen an den Oberen Rotgüldensee von vor 1,5 Wochen denke...


Begegnungen:

- 3 * 1 Eidechse

- 2 Eidechsen

- 2 * 3 * 1 Eidechse

- 4 Eidechsen

- 3 * 1 Eidechse

- 3 Eichelhäher

- 3 Wanderer

- 1 Libelle


Dienstag, 7. Juli 2026

Tag 25: Jenseits der Stille

Nassfeld - Hermagor - Jadersdorf
(24,1 km - 580 Hm auf - 1.430 Hm ab)

Früh am Morgen starte ich ohne Frühstück in Villach und wandele durch die noch etwas verschlafene Stadt zum Bahnhof. Die 06:59-Uhr-S-Bahn bringt mich (österreichisch gemütlich, aber) pünktlich in einem Stündchen nach Hermagor, wo schon der 200er-Bus Richtung Kötschach-Mauthen wartet. In ihm schon jede Menge Grundschulkinder.

Der Fahrer quatscht noch außerhalb des Busses, irgendwann steigt er dann ein und als ich (zwei Minuten vor Abfahrt) selbiges zu tun gedenke, weist er mich darauf hin, daß dies eine Sonderfahrt sei und der eigentliche Linienbus noch komme - so, so: Anzeige akkurat einstellen (oder einfach abschalten - für die Pragmatiker unter uns), könnte hilfreich sein.

Aha. Mit etwas Verspätung kommt dann ein baugleicher Bus mit identischer Anzeige, wo der Fahrer auch Einlaß gewährt - hoffen wir mal das Beste, schließlich bin ich am Feuerwehrhaus in Tröpolach auf den einzigen Rufbus des Tages VOR 16:xx Uhr hinauf zum Nassfeldpass angewiesen.

Kurz vor der zweiten Haltestelle in Hermagor warnt der Fahrer den ganzen Bus, daß die Ruhe jetzt gleich vorbei sei: Die 3 älteren Herren vor mir, erkennen die aufziehende Lage noch gar nicht und fragen extra nochmal nach - ich habe auch ohne Brille längst den Kern der Sache erspäht, um nicht zu sagen: Den (Satans-)Braten - in multipler Ausfertigung - gerochen.

Drei Grundschulklassen samt Begleitpersonen fluten den Bus und wir haben erstmal etwas zu tun, die ganzen unter-großen Menschen mit über-großem Mitteilungsbedarf sachgerecht zu verstauen: Die fahren bis Tröpolach - Zentrum, so daß ich mir gleich mal meinen Gangplatz bewahre - nur ist auch der ganz enge Gang voll vollgestellt.

Oweia, das dürfte mit meinem Hinkelstein eine Herausforderung beim Aussteigen werden - schließlich ist ER ganz schön umfänglich (ich ja quasi nahezu weniger ;-)).

Die netten Begleitpersonen und der Fahrer sind aber sehr aufmerksam und so ist mein Abwurf beim nicht zu übersehenden Feuerwehrhaus (die elektronische Anzeige des Busses blieb nämlich bzgl. Haltestellen stumm und die akkustische Ansage blieb schwach - zumindest für Hörgeschädigte ohne Hörhilfe beim Wandern) gar kein Thema.

Als ich mich etwas orientierungslos umsehe, ruft schon der Taxifahrer von der Tankstelle gegenüber, daß sein Auto gleich um's Eck (im Schatten !) stünde. Er habe schon zehn Minuten Bus-Verspätung auf mich gewartet in den FÜNF Minuten, die der Bus hinter Plan ist (aber das Warten hatte mir die Rufbuszentrale am Vortag ja versprochen, weil laut Plan der Linienbus erst in der Minute ankommt, wie der Rufbus startet) - faszinierend diese Raum-Zeit-Krümmung hier auf der Alpensüdseite.

Die 20 Minuten Fahrt die Serpentinen hoch zum Nassfeldpaß auf 1.530 Metern Seehöhe vergehen kurzweilig und ich bin jetzt auch gebrieft, was sämtliche Baustellen im Umkreis von 50 Kilometern angeht. Immerhin die Straße am Paß nach Italien ist jetzt wieder geöffnet ;-)

Wenige Minuten nach meinem Start treffe ich hier am Südalpenweg 03 eine (ganz) alte Bekannte (Graz - Monaco, 2014, Tag 020):

Aber nochmal kurz zurück: Das Ende des Rupertiwegs ist ja direkt am Paß und dort war gerade mein Start:

Warum in die Gegenrichtung ?

Es hatte sich dieses Zeitfenster für die Tour recht früh im Juli aufgetan und der Reißeck-Höhenweg gilt als recht anspruchsvoll: 9 Stunden offizielle Gehzeit und der Obmann (der ÖAV-Weitwanderer-Gert aus Graz) mit seinen langen Haxen (wenn er 2 Schritte macht, brauche ich 3-5) war bei guten Verhältnissen damals 12 Stunden unterwegs. Da möchte ich NICHT wissen, was ich in Höhen bis knapp 2.800 Metern mit Schnee bräuchte...

Und so war die Idee geboren worden, in die Gegenrichtung zu spazieren, um den Reißeck-Höhenweg ein wenig später (hoffentlich) zu erreichen.

Zurück ins hier und jetzt: Schon nach kurzer Zeit wendet sich der Rupertiweg vom Südalpenweg ab und ich schlendere weiter bergauf, was bereits um kurz nach 09:00 Uhr morgens heute eine Schweiß-treibende Angelegenheit ist.

Davon weiß auch der Hund hechelnd wortlos aber überdeutlich zu berichten: Gierig stürzt er sich im Schatten bei einer kurzen Pause auf das Wasser in den Händen der einheimischen Begleiterin. Außer dieser kurzen Begegnung habe ich allen Trubel und sämtliche Menschen bereits weit hinter mir gelassen. Herrlich !

Nur die Murmeltier-Warn-Pfiffe liegen mir durchdringlich in den Ohren, während ich so gen Westen zurückblicke über das Skigebiet, den Paß und den weiteren Verlauf des Karnischen Höhenwegs, der ja bis Sillian in Osttirol führt:

Schöne Grüße an Marianne in Kanada an dieser Stelle, mit der ich erst 2018 den westlichen Teil absolviert habe (da war sie ja aber auch noch 82 Jahre jung), weil 2014 auf dem Weg nach Monaco noch viel zu viel Schnee lag und ich vom Plöckenpaß bzw. der Unteren Valentinalm auf den Gailtaler Höhenweg ausweichen mußte - dort wo die Herren aus der S-Bahn/dem Bus von vorhin zum Start hinwollten.

Am Kühweger Törl erreiche ich auf gut 1.900 Metern (nein, Volker, Gipfel/Übergänge unter 2.000 Metern werden auch dieses Jahr NICHT separat gelistet ;-)) den höchsten Punkt des heutigen Tages und starte in den langen Abstieg...

Ich schlendere beschwingt auf meinem Pfad durch lichtes Almgelände und habe bis zur Kühweger Alm die Landschaft auch erstmal weiterhin ganz für mich alleine und meine Gedanken.

Um 10:45 Uhr dann ein erstes und deutlich verspätetes Verhackertes-Frühstück und ein halber Liter Buttermilch: Willkommen in den Bergen !

Der Wirt läßt sich eine persönliche Weg- und Wetterberatung (Gewitter sind vor 16-17 Uhr nicht ernst zu nehmen - weil da stehen sie nur in der Zeitung) nicht nehmen, nachdem er mich ausgefragt hatte, woher bzw. wohin.

Ob ich denn durch die Garnitzenklamm wolle, fragt er weiter. Ich bejahe vorsichtig (irgendwas von Klamm habe ich schon mal gehört), da verdreht er die Augen und meinte, das könne ein Problem geben. Nichts weiter. Ich denke mir meinen Teil und schieße - treffend, wie sich gleich zeigen sollte - ins Blaue: "Wegen des Gegenverkehrs ?" !

Außerdem erhalte ich noch spezielle Instruktionen für DAS Gatter...

Beim Weggehn läuft er mir sogar noch rufend hinterher: Er will noch Foto für mich mit mir und der Alm machen. Nun, sehr freundlich, was soll ich sagen !

Ich lasse die nette kleine Alm hinter mir und spaziere eine wirklich lange Weile dahin. Zwischenzeitlich zweifle ich schon ein wenig, allerdings weniger an mir (die Route paßt laut GPS), sondern eher an den Angaben des Wirts, aber dann kommt sie noch: Die Spezialsicherung am Tor...

Das Almgelände ist WIRKLICH weitläufig !

Aber das braucht es scheinbar für die "schlauen Ochsen und Esel", denn die haben gelernt bzw. sich beigebracht, wie man Gatter öffnet, weswegen hier Zusatzsicherungsschlinge montiert ist !

Na, da könnt ihr schauen, ihr gewitzten Vierbeiner: Ich habe natürlich weisungsgemäß gehandelt und ICH trage nicht zum nächsten Ausbüchsen bei...

Das mit der Garnitzenklamm erscheint mir mehr und mehr unrealistisch, denn mir dünkt, ich habe den oberen Einstieg bzw. den Ausgang für die Massen verpaßt: Es war nichts angeschrieben, die Route ist wohl nicht Teil meiner Planung - da für den Rupertiweg nur eine Option und nicht die Hauptroute - und neben mir ist schon eine Weile ein ziemlicher Canyon.

An einer Weggabelung entscheide ich mich für den schwarzen Steig, nur für Geübte und nicht bei Starkregen oder höherem Wasserstand DIREKT zum Einstieg der Klamm.

Ich bin etwas verwirrt: Finde den Fehler im folgenden Suchbild...

Ja, genau: RECHTS geht es sakrisch hinab und LINKS vom Weg ist das Geländer zum flachen Wald hin. Mmh, für das Einhängen einer Selbstsicherung würde das halbwegs Sinn ergeben, aber aus Holz ?

Also ICH verstehe es nicht, aber es gibt bestimmt schlauere Kommentatoren, die hier noch Licht ins Dunkel bringen können.

Der Abstieg ist lustig, denn die vielen Menschen, die hier plötzlich unterwegs sind, sind anscheinend nicht auf die alpinistischen Herausforderungen vorbereitet bzw. des Lesens nicht mächtig: Keine Steinschlaghelme, keine Seile, von Schlag-, Bohr- oder Klebehaken nichts zu sehen, nicht mal Eisschrauben haben sie an der Frau :-o

Da falle ich mit schweren Bergstiefeln und Stöcken total aus der Reihe und irgendwie stieben sie immer recht zur Seite kurz bevor ich ihnen auf die Füße trete. Ich glaube fast, meine übel klackernden - also für Nicht-Hörgeschädigte wirklich nicht überhörbaren - 2014er-Schrott-Stecken der Marke Black Diamond sind nicht ganz unschuldig (für zu Hause mußte ich mir schon neue kaufen, aber für die eine oder andere Alpenüberquerung sollten die schon noch taugen). Ich mache mir einen kleinen Spaß daraus - und hoffe, daß all die kleinen und großen Menschen in teils lustig aber nicht ungefährlich anzusehendem "Schuhwerk" später noch heil unten ankommen werden.

Zwischendrin kann ich mal einen Blick über das Gailtal werfen, in die Richtung in die und in der es für mich gleich weiter geht.

Raus aus dem Wald ist es ordentlich heiß und jetzt muß ich das Gailtal durchschreiten hinüber nach Hermagor.

Erinnert mich irgendwie an meine Gailtaldurchschreitung 2014 (Graz - Monaco, Tag 022).

In Hermagor muß ich mir dann gleich noch etwas zum Abendessen am Nachmittag suchen, denn wegen Quartierthematik verlängert sich meine heutige erste Etappe gleich mal, allerdings gibt es dort am Zeil dann keinen Gasthof, wie mir der holländische Pensionswirt netterweise vorab schon per E-Mail signalisiert hat.

Mitten im Zentrum sehe ich einen Asiaten: Mittagstisch bis 14:00 Uhr. Wir haben 14:15 Uhr...

Bei einem Deutschen Wirt (Pleitegeier Erlangen): Sonntag Abend, 21:31 - die Küche hat nur bis 21:30 geöffnet, letzte Bestellungen bis 21:15 Uhr. Auf Wiedersehen.

Bei der Österreichischen Hüttenwirtin (Nebelsteinhütte): Bitte bis 15:30 Uhr ABENDESEN bestellen, weil um 16:00 die Küche schließt. (siehe auch Nord-Süd-Weitwanderweg/WWW05, 2025: Tag 00)

Interessanterweise war das 2024 noch 17:00 Uhr: Ostösterreichischer Grenzlandweg/WWW07, 2024: Tag 00

Ob das in 2026 dann der kontinuierlichen Reihe folgend bereits 15:00 Uhr ist ?

Sollte ich nächstes Jahr vielleicht mal gegen 14:00 Uhr vorbeischauen...

Hier beim Chinesen ist das aber alles GAR KEIN Thema: NATÜRLICH erhalte ich Mittagessen: Erinnert mich an 14:15 Uhr beim EIGENTLICH schon geschlossenen Aisaten in der Nähe von Leoben, wo ich mit Gert letztes Jahr nicht nur Essen, sondern sogar noch Rabatt bekommen hatte (siehe auch: Nord-Süd-Weitwanderweg/WWW05, 2025: Tag a41).

So sieht Service aus !

Frisch gestärkt mache ich mich auf meinen weiteren Weg, durch einen kleinen Park... 

... und dann durch das Gitschtal, zumeist im Schatten, verab aller Straßen und anfangs am Fluß entlang.

Später geht der Weg dann weg vom Fluß und ordentlich bergauf, aber erst wenige Kilometer vor Jadersdorf wechselt der Belag auf Asphalt und der Schatten wird arg rar.

Aber eine letzte Bank im Schatten (für eine letzte kleine Pause vor dem letzten kleinen Wegstück von 2 Kilometern) liegt noch vor mir:

Und nebenan ein winziger, sehr klarer Bachlauf mit sehr hübscher Anwohnerin:

Bei der Querung eines größeren Baches im weiteren Verlauf, zweifle ich dann etwas am Schild bzw. der angezeigten RIchtung, denn die Kinder (hinter dem Schild) haben DEFINITIV ein kleines Paradies im kühlen Wasser bei der Hitze und in die andere Richtung ist NICHTS außer Gebüsch...

Nicht fragen, nur wundern...

Aber immerhin - nach der langen Anreise - den ersten Wandertag auf wundersame Weise und ganz ohne Wunden sehr gut überstanden.

So kann und darf es weitergehen :-)


Begegnungen:

- 3 ältere Männer aus Hamburg, Erfurt, Heidelberg mit junger, einheimischer Führerin in S-Bahn ab Villach und dann Bus gen Kötschach-Mauthen zum Rubus gen Plöckenpaß (Karnischer Höhenweg)

- 60 abgezählte Grundschulkids + 10 professionelle Raubtier-DompteurInnen

- 1 pfeifendes Murmeltier

- 1 einheimische Frau mit Hund

- 1 pfeifendes Murmeltier

- 1 Eidechse

- 1 sehr zuvorkommender Wirt auf der Kühweger Alm mit schlauen Ochsen und Eseln

- 1 Eidechse

- 1 smaragd-grün schimmernde große Libelle