Nassfeld - Hermagor - Jadersdorf
(24,1 km - 580 Hm auf - 1.430 Hm ab)
Früh am Morgen starte ich ohne Frühstück in Villach und wandele durch die noch etwas verschlafene Stadt zum Bahnhof. Die 06:59-Uhr-S-Bahn bringt mich (österreichisch gemütlich, aber) pünktlich in einem Stündchen nach Hermagor, wo schon der 200er-Bus Richtung Kötschach-Mauthen wartet. In ihm schon jede Menge Grundschulkinder.
Der Fahrer quatscht noch außerhalb des Busses, irgendwann steigt er dann ein und als ich (zwei Minuten vor Abfahrt) selbiges zu tun gedenke, weist er mich darauf hin, daß dies eine Sonderfahrt sei und der eigentliche Linienbus noch komme - so, so: Anzeige akkurat einstellen (oder einfach abschalten - für die Pragmatiker unter uns), könnte hilfreich sein.
Aha. Mit etwas Verspätung kommt dann ein baugleicher Bus mit identischer Anzeige, wo der Fahrer auch Einlaß gewährt - hoffen wir mal das Beste, schließlich bin ich am Feuerwehrhaus in Tröpolach auf den einzigen Rufbus des Tages VOR 16:xx Uhr hinauf zum Nassfeldpass angewiesen.
Kurz vor der zweiten Haltestelle in Hermagor warnt der Fahrer den ganzen Bus, daß die Ruhe jetzt gleich vorbei sei: Die 3 älteren Herren vor mir, erkennen die aufziehende Lage noch gar nicht und fragen extra nochmal nach - ich habe auch ohne Brille längst den Kern der Sache erspäht, um nicht zu sagen: Den (Satans-)Braten - in multipler Ausfertigung - gerochen.
Drei Grundschulklassen samt Begleitpersonen fluten den Bus und wir haben erstmal etwas zu tun, die ganzen unter-großen Menschen mit über-großem Mitteilungsbedarf sachgerecht zu verstauen: Die fahren bis Tröpolach - Zentrum, so daß ich mir gleich mal meinen Gangplatz bewahre - nur ist auch der ganz enge Gang voll vollgestellt.
Oweia, das dürfte mit meinem Hinkelstein eine Herausforderung beim Aussteigen werden - schließlich ist ER ganz schön umfänglich (ich ja quasi nahezu weniger ;-)).
Die netten Begleitpersonen und der Fahrer sind aber sehr aufmerksam und so ist mein Abwurf beim nicht zu übersehenden Feuerwehrhaus (die elektronische Anzeige des Busses blieb nämlich bzgl. Haltestellen stumm und die akkustische Ansage blieb schwach - zumindest für Hörgeschädigte ohne Hörhilfe beim Wandern) gar kein Thema.
Als ich mich etwas orientierungslos umsehe, ruft schon der Taxifahrer von der Tankstelle gegenüber, daß sein Auto gleich um's Eck (im Schatten !) stünde. Er habe schon zehn Minuten Bus-Verspätung auf mich gewartet in den FÜNF Minuten, die der Bus hinter Plan ist (aber das Warten hatte mir die Rufbuszentrale am Vortag ja versprochen, weil laut Plan der Linienbus erst in der Minute ankommt, wie der Rufbus startet) - faszinierend diese Raum-Zeit-Krümmung hier auf der Alpensüdseite.
Die 20 Minuten Fahrt die Serpentinen hoch zum Nassfeldpaß auf 1.530 Metern Seehöhe vergehen kurzweilig und ich bin jetzt auch gebrieft, was sämtliche Baustellen im Umkreis von 50 Kilometern angeht. Immerhin die Straße am Paß nach Italien ist jetzt wieder geöffnet ;-)
Wenige Minuten nach meinem Start treffe ich hier am Südalpenweg 03 eine (ganz) alte Bekannte (Graz - Monaco, 2014, Tag 020):
Aber nochmal kurz zurück: Das Ende des Rupertiwegs ist ja direkt am Paß und dort war gerade mein Start:
Warum in die Gegenrichtung ?
Es hatte sich dieses Zeitfenster für die Tour recht früh im Juli aufgetan und der Reißeck-Höhenweg gilt als recht anspruchsvoll: 9 Stunden offizielle Gehzeit und der Obmann (der ÖAV-Weitwanderer-Gert aus Graz) mit seinen langen Haxen (wenn er 2 Schritte macht, brauche ich 3-5) war bei guten Verhältnissen damals 12 Stunden unterwegs. Da möchte ich NICHT wissen, was ich in Höhen bis knapp 2.800 Metern mit Schnee bräuchte...
Und so war die Idee geboren worden, in die Gegenrichtung zu spazieren, um den Reißeck-Höhenweg ein wenig später (hoffentlich) zu erreichen.
Zurück ins hier und jetzt: Schon nach kurzer Zeit wendet sich der Rupertiweg vom Südalpenweg ab und ich schlendere weiter bergauf, was bereits um kurz nach 09:00 Uhr morgens heute eine Schweiß-treibende Angelegenheit ist.
Davon weiß auch der Hund hechelnd wortlos aber überdeutlich zu berichten: Gierig stürzt er sich im Schatten bei einer kurzen Pause auf das Wasser in den Händen der einheimischen Begleiterin. Außer dieser kurzen Begegnung habe ich allen Trubel und sämtliche Menschen bereits weit hinter mir gelassen. Herrlich !
Nur die Murmeltier-Warn-Pfiffe liegen mir durchdringlich in den Ohren, während ich so gen Westen zurückblicke über das Skigebiet, den Paß und den weiteren Verlauf des Karnischen Höhenwegs, der ja bis Sillian in Osttirol führt:
Schöne Grüße an Marianne in Kanada an dieser Stelle, mit der ich erst 2018 den westlichen Teil absolviert habe (da war sie ja aber auch noch 82 Jahre jung), weil 2014 auf dem Weg nach Monaco noch viel zu viel Schnee lag und ich vom Plöckenpaß bzw. der Unteren Valentinalm auf den Gailtaler Höhenweg ausweichen mußte - dort wo die Herren aus der S-Bahn/dem Bus von vorhin zum Start hinwollten.
Am Kühweger Törl erreiche ich auf gut 1.900 Metern (nein, Volker, Gipfel/Übergänge unter 2.000 Metern werden auch dieses Jahr NICHT separat gelistet ;-)) den höchsten Punkt des heutigen Tages und starte in den langen Abstieg...
Ich schlendere beschwingt auf meinem Pfad durch lichtes Almgelände und habe bis zur Kühweger Alm die Landschaft auch erstmal weiterhin ganz für mich alleine und meine Gedanken.
Um 10:45 Uhr dann ein erstes und deutlich verspätetes Verhackertes-Frühstück und ein halber Liter Buttermilch: Willkommen in den Bergen !
Der Wirt läßt sich eine persönliche Weg- und Wetterberatung (Gewitter sind vor 16-17 Uhr nicht ernst zu nehmen - weil da stehen sie nur in der Zeitung) nicht nehmen, nachdem er mich ausgefragt hatte, woher bzw. wohin.
Ob ich denn durch die Garnitzenklamm wolle, fragt er weiter. Ich bejahe vorsichtig (irgendwas von Klamm habe ich schon mal gehört), da verdreht er die Augen und meinte, das könne ein Problem geben. Nichts weiter. Ich denke mir meinen Teil und schieße - treffend, wie sich gleich zeigen sollte - ins Blaue: "Wegen des Gegenverkehrs ?" !
Außerdem erhalte ich noch spezielle Instruktionen für DAS Gatter...
Beim Weggehn läuft er mir sogar noch rufend hinterher: Er will noch Foto für mich mit mir und der Alm machen. Nun, sehr freundlich, was soll ich sagen !
Ich lasse die nette kleine Alm hinter mir und spaziere eine wirklich lange Weile dahin. Zwischenzeitlich zweifle ich schon ein wenig, allerdings weniger an mir (die Route paßt laut GPS), sondern eher an den Angaben des Wirts, aber dann kommt sie noch: Die Spezialsicherung am Tor...
Das Almgelände ist WIRKLICH weitläufig !
Aber das braucht es scheinbar für die "schlauen Ochsen und Esel", denn die haben gelernt bzw. sich beigebracht, wie man Gatter öffnet, weswegen hier Zusatzsicherungsschlinge montiert ist !
Na, da könnt ihr schauen, ihr gewitzten Vierbeiner: Ich habe natürlich weisungsgemäß gehandelt und ICH trage nicht zum nächsten Ausbüchsen bei...
Das mit der Garnitzenklamm erscheint mir mehr und mehr unrealistisch, denn mir dünkt, ich habe den oberen Einstieg bzw. den Ausgang für die Massen verpaßt: Es war nichts angeschrieben, die Route ist wohl nicht Teil meiner Planung - da für den Rupertiweg nur eine Option und nicht die Hauptroute - und neben mir ist schon eine Weile ein ziemlicher Canyon.
An einer Weggabelung entscheide ich mich für den schwarzen Steig, nur für Geübte und nicht bei Starkregen oder höherem Wasserstand DIREKT zum Einstieg der Klamm.
Ich bin etwas verwirrt: Finde den Fehler im folgenden Suchbild...
Ja, genau: RECHTS geht es sakrisch hinab und LINKS vom Weg ist das Geländer zum flachen Wald hin. Mmh, für das Einhängen einer Selbstsicherung würde das halbwegs Sinn ergeben, aber aus Holz ?
Also ICH verstehe es nicht, aber es gibt bestimmt schlauere Kommentatoren, die hier noch Licht ins Dunkel bringen können.
Der Abstieg ist lustig, denn die vielen Menschen, die hier plötzlich unterwegs sind, sind anscheinend nicht auf die alpinistischen Herausforderungen vorbereitet bzw. des Lesens nicht mächtig: Keine Steinschlaghelme, keine Seile, von Schlag-, Bohr- oder Klebehaken nichts zu sehen, nicht mal Eisschrauben haben sie an der Frau :-o
Da falle ich mit schweren Bergstiefeln und Stöcken total aus der Reihe und irgendwie stieben sie immer recht zur Seite kurz bevor ich ihnen auf die Füße trete. Ich glaube fast, meine übel klackernden - also für Nicht-Hörgeschädigte wirklich nicht überhörbaren - 2014er-Schrott-Stecken der Marke Black Diamond sind nicht ganz unschuldig (für zu Hause mußte ich mir schon neue kaufen, aber für die eine oder andere Alpenüberquerung sollten die schon noch taugen). Ich mache mir einen kleinen Spaß daraus - und hoffe, daß all die kleinen und großen Menschen in teils lustig aber nicht ungefährlich anzusehendem "Schuhwerk" später noch heil unten ankommen werden.
Zwischendrin kann ich mal einen Blick über das Gailtal werfen, in die Richtung in die und in der es für mich gleich weiter geht.
Raus aus dem Wald ist es ordentlich heiß und jetzt muß ich das Gailtal durchschreiten hinüber nach Hermagor.
Erinnert mich irgendwie an meine Gailtaldurchschreitung 2014 (Graz - Monaco, Tag 022).
In Hermagor muß ich mir dann gleich noch etwas zum Abendessen am Nachmittag suchen, denn wegen Quartierthematik verlängert sich meine heutige erste Etappe gleich mal, allerdings gibt es dort am Zeil dann keinen Gasthof, wie mir der holländische Pensionswirt netterweise vorab schon per E-Mail signalisiert hat.
Mitten im Zentrum sehe ich einen Asiaten: Mittagstisch bis 14:00 Uhr. Wir haben 14:15 Uhr...
Bei einem Deutschen Wirt (Pleitegeier Erlangen): Sonntag Abend, 21:31 - die Küche hat nur bis 21:30 geöffnet, letzte Bestellungen bis 21:15 Uhr. Auf Wiedersehen.
Bei der Österreichischen Hüttenwirtin (Nebelsteinhütte): Bitte bis 15:30 Uhr ABENDESEN bestellen, weil um 16:00 die Küche schließt. (siehe auch Nord-Süd-Weitwanderweg/WWW05, 2025: Tag 00)
Interessanterweise war das 2024 noch 17:00 Uhr: Ostösterreichischer Grenzlandweg/WWW07, 2024: Tag 00
Ob das in 2026 dann der kontinuierlichen Reihe folgend bereits 15:00 Uhr ist ?
Sollte ich nächstes Jahr vielleicht mal gegen 14:00 Uhr vorbeischauen...
Hier beim Chinesen ist das aber alles GAR KEIN Thema: NATÜRLICH erhalte ich Mittagessen: Erinnert mich an 14:15 Uhr beim EIGENTLICH schon geschlossenen Aisaten in der Nähe von Leoben, wo ich mit Gert letztes Jahr nicht nur Essen, sondern sogar noch Rabatt bekommen hatte (siehe auch: Nord-Süd-Weitwanderweg/WWW05, 2025: Tag a41).
So sieht Service aus !
Frisch gestärkt mache ich mich auf meinen weiteren Weg, durch einen kleinen Park...
... und dann durch das Gitschtal, zumeist im Schatten, verab aller Straßen und anfangs am Fluß entlang.
Später geht der Weg dann weg vom Fluß und ordentlich bergauf, aber erst wenige Kilometer vor Jadersdorf wechselt der Belag auf Asphalt und der Schatten wird arg rar.
Aber eine letzte Bank im Schatten (für eine letzte kleine Pause vor dem letzten kleinen Wegstück von 2 Kilometern) liegt noch vor mir:
Und nebenan ein winziger, sehr klarer Bachlauf mit sehr hübscher Anwohnerin:
Bei der Querung eines größeren Baches im weiteren Verlauf, zweifle ich dann etwas am Schild bzw. der angezeigten RIchtung, denn die Kinder (hinter dem Schild) haben DEFINITIV ein kleines Paradies im kühlen Wasser bei der Hitze und in die andere Richtung ist NICHTS außer Gebüsch...
Nicht fragen, nur wundern...
Aber immerhin - nach der langen Anreise - den ersten Wandertag auf wundersame Weise und ganz ohne Wunden sehr gut überstanden.
So kann und darf es weitergehen :-)
Begegnungen:
- 3 ältere Männer aus Hamburg, Erfurt, Heidelberg mit junger, einheimischer Führerin in S-Bahn ab Villach und dann Bus gen Kötschach-Mauthen zum Rubus gen Plöckenpaß (Karnischer Höhenweg)
- 60 abgezählte Grundschulkids + 10 professionelle Raubtier-DompteurInnen
- 1 pfeifendes Murmeltier
- 1 einheimische Frau mit Hund
- 1 pfeifendes Murmeltier
- 1 Eidechse
- 1 sehr zuvorkommender Wirt auf der Kühweger Alm mit schlauen Ochsen und Eseln
- 1 Eidechse
- 1 smaragd-grün schimmernde große Libelle