Freitag, 10. Juli 2026

Tag 22: Willkommen, meine Zentralalpen

Goldeckhütte - Spittal an der Drau - Lendorf
(19,4 km - 180 Hm auf - 1.500 Hm ab)

Ein herrlicher Morgen nach einer Nacht mit ganz viel erholsamem Schlaf beginnt mit der netten Chefin und einem grandiosen Frühstück.

So kann Hütten-Leben auf einer Weitwanderung sein. Fast wie Urlaub.

Als ich mich dann um 09:00 Uhr denn doch mal verabschiede, kommt bereits an der ersten Biegung die Vorhut des Abschiedskommandos entgegen:

Frühaufsteher oder unerlaubte Wild-Biwakierer ?

Sehr bald kann ich auch schon einen ersten, heute kaum von Wolken gesäumten Blick gen Nordwesten, hinüber in die Reißeck-Gebirgsgruppe werfen:

Da will ich hin. Schließlich habe ich gleich nach dem Frühstück die dortige Hüttenbelegschaft bzgl. meines geplanten Erscheinens am Folgetag in Kenntnis gesetzt. Dazu muß ich jetzt aber erstmal ordentlich absteigen.

FAST wäre das schief gegangen und jäh in einem Unfall geendet: Ich bin zwar auf der größeren Straße und komme von rechts, aber die Gams stürmt voll ungebremst mit vollem Karacho in die Kreuzung ein und schaut dann erst nach links und rechts. Als sie mich sieht, gibt sie noch etwas mehr Gas bei Ihrer Querung, so daß wir beide gerade noch so einer Kollision entgehen.

Das wäre ja peinlich gewesen: Schnecke bei Crash mit Gams schwer verletzt. Manchmal ist es gar nicht so schlecht, nicht ganz so schnell zu sein. Und man sieht mehr von der Umgebung bzw. Natur...

Im Bereich der alten Mittelstation - die moderne Umlauf-Gondelbahn verläuft auf einer ganz anderen Trasse - stoße ich dann wieder auf ein paar Lost Places (ähnlich wie gestern an der Goldeck-Alm, allerdings nicht ganz so trotstlos):

Die Forststraßen werden immer nur kurz verwendet, überwiegend habe ich einen wunderschönen Single-Trail-Waldweg vor mir.

Zwischendurch an einer kleinen Lichtung mal aufgelockert durch ein schnuckelige Hütte:

Nur bzgl. der 910 bin ich erstaunt:

Frage an die Experten: Welche Gebirgsgruppen in den Südalpen haben den 900er-Nummern ?

Als ich unten im breiten Drautal ankomme und zur Querung hinüber und dann durch Spittal an der Drau ansetze, komme ich an diesem kleinen Häuschen vorbei, was fast so alt wie ich ist:

So, so, ein "Schülerwartehaus": Gut, daß wir das P-Seminar gestern bereits abgeschlossen haben, nun wieder beim Standard-Kurrikulum sind und diese Schüler ? - Und wenn sie nicht gestorben sind, dann warten sie wohl noch heute. Oder - um Himmels Willen - spuken hier zur Geisterstunde in dem Häuschen, aus dem sie wartend nicht rauskommen :-o

Egal, ich werde es nicht erleben, sondern zu diesem Zeitpunkt bestimmt wieder selig schlafen, rechtschaffen ermüdet von ungewohntem Sauerstoff in Kombination mit hellem Licht sowie unüblicher Bewegung.

Das Zentrum von Spittal wirkt fast ein wenig mediterran...

Recht schnell - mangels interessanter Angebote am Weg (nein, ein Museumsbesuch wäre zwar zur Abkühlung vielleicht nicht schlecht gewesen, steht gerade aber nicht auf meinem Interessen-Speiseplan) - durchquere ich Spittal gen Norden und befinde mich just schon wieder in einem Aufstieg. Auf Asphalt. In der prallen Sonne. Steil.

Trotzdem erreiche ich ohne Verwundung den Fünfwundenweg, wo sich wieder eine Markierung findet und direkt in den schattigen Wald führt:

Apropos Wegweiser: 510 !

Gerade Hunderterstelle !!

Ich befinde mich nun also nicht mehr in den Süd-, sondern bereits in den Zentralalpen und wenn alles weiter nach Plan läuft (erwähnte ich schon mal ganz spontan, daß ich Pläne liebe - insbesondere, wenn sie aufgehen ?!) werde ich in drei weiteren Wandertagen bereits auf der Höhe des Alpenhauptkamms übernachten.

Vorher darf ich hier im Drautal noch auf einem Höhenzug gemütlich durch den Wald spazieren:

Könnte schlimmer sein, der Weg zum heutigen Quartier etwas abseits des Weges (oweia, denke ich mir auf dem letzten Kilometer im Steilabstieg auf einer Straße: da muß ich morgen Früh zum Einstieg gleich wieder hoch !) in St. Peter im Holz, einem Ortsteil von Lendorf.

Das urige alte Haus, mit der tollen Haustür und der angenehmen Kühle im Inneren ist klasse und auch das Schild am Eingang zaubert mir gleich mal wieder ein Schmunzeln ins Gesicht:

Ja, ja, die Schnecken: Auch sie haben es RECHTZEITIG in die Arche geschafft, sonst gäbe es sie heute nicht mehr.

Könnte das ein Lebensmotto für mich sein ? ;-)

Sowohl in meinem Zimmer "Klimt" (mit Kachelofen !) als auch vor der Tür in lauschigem Ambiente läßt es sich richtig gut aushalten und vorzüglich speisen...

Die Kärntner Nudeln, die in allen möglichen herzhaften und süßen Variationen ungefähr die Hälfte der Speisekarte ausmachen, sind hier wohl besonders bekannt und beliebt.

Im modernen Sanitärbereich meines Zimmers erhalte ich von der Chefin glatt noch eine Einweisung in die Dusche (nur wissenschaftlich/theoretisch, nicht praktisch):

Erinnert mich irgendwie an Omegna, südlich des Lago Maggiore, wo ich auch eine High-Tech-Dusche hatte, allerdings ohne mehrseitige Bedienungsanleitung oder gar Einweisung (Graz - Monaco, 2014: Tag 060).


Begegnungen:

- 1 kecke Kuh

- 1 Auerhahn ? - oder was gibt es sonst für braune Vögel in den Bergen, vom Körper deutlich mächtiger als Fasan und ebenfalls schlecht beim Schnellstart ?

- 1 Gams

- 1 Libelle

- 3 Schafe

- 1 Buntspecht


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