Gestern hatte ich ja bereits die ersten 6-7 Kilometer der heutigen Etappe erledigt und mein Quartier wird in den südlichen Ausläufern von Techendorf, also noch vor dem Zentrum liegen, so daß auch hintenraus bereits im vorhinein der Planung etwas abgeknappst wurde: Das dürfte also eine sehr kurze Etappe werden.
Apropos Planung: Ich habe diesmal wirklich bereits 3,5 Tage vor dem Start mich um Unterkünfte gekümmert und den Etappenschnitt mal festgelegt. Am letzten Wochenende hatte ich nämlich noch andere Dinge im Sinn und man will ja Urlaub und keine Hektik.
In diesem Sinne spaziere ich sehr entspannt gen Nachbarort St. Lorenzen.
Dort soll der Wanderweg abzweigen - zumindest laut GPS.
Und merke: Nicht vorhandene Weg-Taferl kann man weder mit Edding sinnstiftend zusatzbeschriften noch mit den netten Aufklebern pimpen, die mir der Obmann im März bei der Hauptversammlung mitgegeben hat - für FÜNF österreichische Weitwanderwege, also einige 1.000 Kilometer. Der (große) Typ scheint noch GROSSES mit meinem Typ vorzuhaben :-o
Trotz der suboptimalen Markierung finde ich den Einstieg in den einsamen Weg bergauf und richte erstmal einen umgestürzten Markierungspfosten wieder auf.
Die Fundstücke am weiteren Weg geben mir dann aber ein wenig zu denken...
... aufgespießte Schädel und herrenlose Schuhe...
... warum fallen mir plötzlich die Rosenheim-Cops ein ("mir hättn da a mol a Leich") :-o
Als dann irgendwann doch wieder gelbe Wegweise auftauchen, beginne ich mit dem Hauptteil meines heutigen Tagwerks: Edding rausholen und nachbeschriften:
Am Ende werde ich ca. 15-20 Taferl ergänzt haben, 10 weitere hatte vor mir schon jemand mit Edding um 210 und/oder E10 erweitert. Wenn es so weitergeht - und weitere Wanderer unserem Beispiel folgen - werden die Tafeln hier mal alle relevanten Infos aufbieten - kann nur noch ein paar Jahre dauern.
Apropos 210: In Hermagor am Vortag war die Grenze zu den Karniern/den Karnischen, wo ich nämlich noch auf dem 410 unterwegs war. Neue Gebirgsgruppe, neues Glück.
Besonderes Glück hatte der Wald hier augenscheinlich nicht, denn viel steht nicht mehr:
Sieht mir fast wie am E1 in NRW aus, wo der Borkenkäfer ganze Hügel von Fichten-Monokultur-Wald in Mondlandschaften, soweit das Auge blicken kann, verwandelt hat.
Was ich heute sehr viel (in Zahl, Farben und Formen) treffe, sind Schmetterlinge, nur um mal ein Besipiel zu geben:
Die Menschen machen sich dafür bis kurz vor dem Übergang an der Naggler-Alm absolut rar, aber da könnte mir schlimmeres passieren.
Auf der Alm kehre ich für ein erfrischendes Getränk im Schatten kurz ein und was mir dabei im Vergleich zu gestern an der Kühweger Alm auffällt: Der industrielle Selbstbedienungsbetrieb im großen Stil scheint deutlich aufwändiger zu sein als der Kleinbetrieb mit Bedienung. Zumindest wenn ich mir die Preisgestaltung exemplarisch am Norm-Gehackerten-Brot ansehe (Buttermilch gibt's hier natürlich nicht und sonst habe ich mir von gestern nix gemerkt).
Statistiken zeigen ja, daß von 2019 bis 2026 die Inflation in Gastronomie und Hotelerie weit jenseits der sonstigen Inflation und bei ca. 50% über einen Zeitraum eben von 7 Jahren liegt.
Interessant ist hier jetzt die inner-kärntnerische Inflation von 100%, die sich über einen Zeitraum von 1 Tag und ca. 25 Kilometern Distanz im Raum-Zeit-Kontinuum ergibt. Faszinierend.
Ebenfalls etwas schräg finde ich das folgende (unbegründete) Schild an diesem Traum an Single-Trail:
Erst habe ich keine richtige Idee, aber später wird sich mir die Sache schon noch erschließen...
Aber erstmal wegen von Forst-Wegen/-Straßen und zurück in die Einsamkeit des Waldes.
Einige Zeit später komme ich auf eine Skipiste. Und ich sehe den Sessellift. Mit den Mountainbike-Halterungen.
Jetzt wird mir einerseits klar, warum da oben an der Naggler-Alm so viele Menschen waren UND was es mit diesen abgesperrten Trails auf sich hat: Wie damals in Südfrankreich (Graz - Monaco, 2014: Tag 100 und nochmal Wien - Nizza, 2023 Tag 74).
Die Skipiste ist gar nicht so schlecht: Alles grün, keine Wanderer oder Downhill-Mountainbiker weit sowie breit und man hat mal richtig Ausblick:
Da unten sehe ich schon den Weissensee, einem der höchsten Kärtner Badeseen und DAS winterlich bekannte Kältloch, wo seit Jahrzehnten die Niederländer ihr traditionelles Grachtenrennen auf dem Eis austragen - lieber 1.000 Kilometer zu Fuß, als 1.000 Millimeter auf Schlittschuhen, aber das ist nur meine subjektive Meinung. Einem jeden Tierchen sein Plaisierchen :-)
Vor den Rest des sonnigen Tages haben die Routenplaner dann noch ein Stückchen finsteren Wald geplant, aber der ist schnell durchschritten.
So erreiche ich schon bald die südlichen Ausläufer von Techendorf.
Heir war die Quartiersuche nicht so einfach: 200-500 EUR für eine Nacht (unverschämt) OHNE Frühstück (beleidigend) wurden hier die Tage in den verschiedensten Massentierhaltungs-Etablissments aufgerufen.
Hallo ?
Manche halten mich ja für einen komplizierten Menschen. Andere geben mir an einem Montag Morgen 6 kalte Pellkartoffeln (sowie eine Scheibe Brot zum Tunken am Ende) und 1,5 Tage durchgezogene marinierte Herringe zum Frühstück.
Ergebnis: Ich meckere nicht (eigentlich sage ich dann (selig) kauend genau gar nichts), nehme den nächsten Bus auf die andere Seite der Alpen, so daß man nicht nur in Franken, sondern in allen deutschen Mittelgebirgen bestimmt die nächsten 1,5 Wochen Ruhe von mir hat (Grüße in die Pfalz an dieser Stelle).
Apropos marinierte Herringe zum Frühstück: Da fällt mir gleich noch die SüWie bzw. damals offiziel Südwiener Hütte bei Obertauern ein, wo ich das erst für Birchermüsli hielt (Zentralalpenweg/WWW02, 2017: Tag 33).
Schließlich wurde ich vorab aber südlich des Sees doch noch mit einer Unterkunft mit erträglichem Preis-Leistungs-Verhältnis fündig.
Da kehre ich dann gleich mal auf ein Süppchen und ein Getränk ein und wundere mich schon etwas über die vereinzelten Regentropfen, mein eigentliches Problem ergibt sich dann aber erst nach dem Zahlen und der Quartierzuweisung an der Rezeption: Ich werde mit einem Elktrokarren gen Norden über die Brücke ins Zentrum jenseits des Wiessensees in eine ganz tolle Unterkunft gekarrt, wo es am nächsten Morgen auch ein ganz tolles Frühstücksbuffet geben wird.
Problem: Mir fehlen 500 Meter :-o
Das geht ja gar nicht...
Aber, dumm darf man sein, man muß sich nur zu helfen wissen: Ich suche mein T5-Spezial-Equipment aus dem Rucksack, warte den nächsten Regenschauer mit ca. 1.000 Tropfen beobachtend an MEINEM Balkon ab und dann mache ich mich auf ohne Socken...
Mit den härtesten meiner Schuhe - seit ca. 15 Jahren im Einsatz, ohne daß das Profil erneuert werden müßte (bei meinen Bergstiefeln ist nach maximal 2.000 - 3.000 Kilometer Neubesohlung fällig und nach weiteren spätestens 2.000 sind sie dann in der Regel am Ende, weswegen ich ein ordentliches Sammelsurrium an Stiefeln mittlerweile zu Hause habe) - mache ich mich also auf den Weg zum numerischen Lückenschluß (Ausgleichswege statt - Flächen, ich bin ja eher etwas eindimensional gestrickt) am WWW10:
Und dann stehe ich an MEINEM Anleger, mit MEINEM Strand...
Auf meiner Seite des Sees bin ich irgendwie völlig alleine und richtig erfrischend gut ist es:
Wenn ich da dagegen an den Oberen Rotgüldensee von vor 1,5 Wochen denke...
Begegnungen:
- 3 * 1 Eidechse
- 2 Eidechsen
- 2 * 3 * 1 Eidechse
- 4 Eidechsen
- 3 * 1 Eidechse
- 3 Eichelhäher
- 3 Wanderer
- 1 Libelle

















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