Donnerstag, 9. Juli 2026

Tag 23: P-Seminar Mathematik, Primar-Stufe++

Techendorf - Goldeckhütte
(22,8 km - 1.720 Hm auf - 740 Hm ab)

Die heutige Etappe im Original weist eine Gehzeig von knapp 12 Stunden nach genormter AV-Formel auf.

Das ist zu viel für einen undrainierten Schreibtischtäter wie mich, dessen alltägliche Wege sich zwischen dem Schreibtisch im Home-Office und der Kühe/der Teoilette/dem Schlafzimmer bewegen - immerhin sorgt der reduzierte Sauerstoffgehalt für eine leichtere Höhenanpassung, nachweislich bis 5.200 Metern.

Früher war mein übliches - wenn auch zuweilen von meiner geneigten Mitmenschheit mit einem Naserümpfen non-verbal kommentiertes - Vorgehen ja, solche Etappen zu meistern, in dem ich sie in maximal 10 Stunden gegangen bin, weswegen das dann logischerweise kein Problem mehr darstellte.

Aktuell ist mir aber ein Rat aus Mathematikern und Physikern irgendwie auf die Spur gekommen und die schauen sich das augenscheinlich (lieber Gert) genauer an, wie ich fürchte.

Jetzt war guter Rat teuer: Da ich ein Zahlenmensch bin (und K/AI nicht so über den Weg traue), habe ich das Problem mal in eine Tabellenkalkulation eingegeben - für die Nicht-Informatiker: das ist sowas wie Excel, nur daß man da rechnen läßt, nichts malt, keine Screenshotsammlungen drin anlegt und auch keine grafischen Re-Prints von Zahlenwerken in Präsentationen als Bilder einfügt (ich weiß, ich bin schrecklich altmodisch aber OLE [Object Linking & Embedding] wurde bereits in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre mit Windows 3.1 eingeführt - ok, Du hast Recht, ist für uns/Euch alle Neuland, Angie). 

Jedenfalls habe ich dann so lange an den Zahlen gespielt, bis das plötzlich (in der c-Variante) gar nicht mehr so schlecht aussah: Die Mathematik sagte 1/4 gesparte Gehzeit + 1/5 weniger Aufstiegmeter, also in Summe quasi 1/9 weniger voraus, was aber ja gerade mal 11% sind :-o

Neuer Ansatz: 20% weniger Aufstieg + 25% reduzierte Gehzeit = 45% Ersparnis gesamt.

Ja, das klingt gut, laßt uns losgehen...

Aber Moment, so früh komme ich gar nicht los, denn mein bester Freund aus Kärnten (und der kennt sie ALLE, die österreichischen WWWs) hatte wohl mal wieder mitten in der Nacht zu allem Überfluß eine seiner typisch kryptischen Mails geschickt. Mir. Wo ich doch mit sowas immer gar nicht klar komme: Wann ich denn auf der AvS-Hütte wäre...

Mmmh, mir war zwar bekannt, daß auch Österreich zum Ende des Ersten Weltkriegs Hütten auf dann italienischem Boden verloren hatte, die heute teilweise vom Alpenverein Südtirol (AvS) betreut werden (Eigentümer seit den 1960er im Zuge der Teilautonomisierung: das Land Südtirol), wie beispielsweise die Wiener in der Steiermark dann einen Ersatzbau hochgezogen haben in Form der Edelraute-Hütte (Zentralalpenweg/WWW02, 2017: Tag 19) statt der verlorenen Edelraut-Hütte (Zentralalpenweg/WWW02, 2017: Tag 51), wo ich dann damals in 2017 Snail-Mail/Schneckenpost per Bote persönlich von Wirtsleuten zun Wirtsleuten überbrachte (immerhin: 32 Tage dürfte schneller als mit der italienischen Post gewesen sein !).

Aber, daß der AvS in Kärnten aktiv wäre ?!

Ok, der Kerl meinte das Arthur-von-Schmid-Haus am kommenden Sonntag und ist damit Schuld, daß ich erst um 08:32 Uhr mich auf den Weg machte.

Ein Weg unter Auslassung des ersten Hügels und stattdessen einer Art Diagonaleinstieg, wobei ich ratzfatz (unbeabsichtigt) in Planungs-Variante b (statt c) lande, was aber nur ein Paar Kilometer mehr sind.

Der Blick zurück auf den Weissensee ist traumhaft:

Unterwegs passiert mich im Aufsteig auf der Forststraße ein Biobiker. Auch als schwerhöriger Nicht-Fahrradkenner erkenne ich die am Berg sofort: Biobiker sind die, mit denen man da als Wanderer mit 15-Kilorucksack noch halbwegs mithalten kann.

Hängt natürlich von Steigung, Untergrund und Fahrkönnen ab: Es soll auch schon welche gegeben haben, die haben ob des Schalk/heißen Atem im Nacken, keinesfalls mit Psychoterror zu verwechseln (das waren 2021 ja nichtmal meine aktuellen Klapperstöcke) aufgegeben (siehe E1-DE, 2012: Tag 51).

Der vierbeinige Begleiter des Radlers hat mir jedenfall eindeutige Richtungsanweisungen als Spuren im Staub hinterlassen:

Da darf man nur nicht zu langsam sein bzw. muß darauf hoffen, daß es stark bewölkt bleibt (und nicht so heiß wird) ;-) 

Noch vor der Alm "Hinterm Brunn, finde ich einen der alten AV-Wegweiser (weiß, mit schwarzer Schrift), wo Zubringer zum 210er/Rupertiweg avisiert wird:

Ich bin also nicht der einzige, der jemals auf diese Idee gekommen ist - und sie ist ja quasi damit sogar offiziell unterstützt ;-)

Ich glaube ja an Wegweiser. - Das wird sich heute später noch als Problem erweisen :-o

Woran ich allerdings NICHT glaube, ist IRGENDEINE Sinnhaftig- bzw. ausreichende Notwendigkeit DERARTIGER Konstruktionen:

Dem im Schweiße seines Angesichts geschuftet habenden Erbauer, möchte ich mal meinen Rucksacke geben und dann soll er da mal durch: Limbo ist nix dagegen.

Und es gibt so einfache Lösungen: 1x in die Schweiz schauen. Weniger Material. Universell einsetzbar. Wenige Minuten Installationsaufwand. Für Wanderer UND Radfahrer [fahrend] geeignet...

Nun ja, ich komme irgendwie durch und schon nach wenigen Minuten ist der Ärger vergessen, denn ich komme hinauf gen Zihagas auf einen richtigen tollen Wegabschnitt: Single-Trails, frisiert wie in Südtirol. D.h. links und rechts des Weges mindestens nochmal die Wegbreite das hohe Gras gestutzt, so daß man keine nassen Hosenbeine bekommt:

Ob das mit der AvS-Frage am Morgen hier in der Gegend evtl. doch einen ernsteren Hintergrund hat ? Ob in irgendwelchen dunklen Kärntner Kellern arme südtiroler "Gast"arbeiter zwangsinterniert sind und für diese akkurate Pflege heran- ja gar nachgezogen werden ?

Puh, starker Tobak !

Von solchen Gedanken muß ich mich in der Einsamkeit erstmal mit steil bergauf und weit in die Ferne blicken ablenken.

An der Zihagas-Wegkreuzung treffe ich auf meine Planungs-Variante c, welche die kürzeste für den heutigen Tag gewesen WÄRE, wenn ich denn am Morgen genauer aufgepaßt HÄTTE.

Aber ich bin nun schon gut zwei Stunden unterwegs, also höchste Zeit für eine kleine Pause, aber was sehen meine Augen da am Fuß des Baumes...

Wie so oft auf Weitwanderung realisiere ich mal wieder einen Cache-Fund (ohne zu Suchen) :-)

Kurz danach erscheinen von meinem c-Aufstieg her drei Tageswanderer, wie scheinbar noch unschlüssig sein, wie/wo es für sie weitergehen soll - ich komme wohl aus der "falschen" Richtung, weswegen ich auch keine große Hilfe bin.

Schon wenige Minuten nachdem ich mich wieder losgemacht habe, treffe auf einen ganz anderen Zeitgenossen: Eine große schwarze Schlange :-o

Wir einigen uns innerhalb kürzester Zeit (sind ja keine Trump-Unterhändler anwesend) auf unentschieden und jeder zieht in getrennte Richtung von dannen...

Zwischendurch kann ich schon einen Blick auf eines meiner Tageszwischenziele erhaschen:

Nein, über die Gipfel muß ich heute nicht, aber an der Eckwand wird es später querend entlang gehen.

Womit wir einige Zeit (und eine Mittagspause, wo mich die drei Tageswanderer gleich wieder einholen) später auch schon beim Thema wären:

Das oben ist schon der Ausstieg, wo mir die Knie nicht mehr so schlottern und die Fotoaufnahme unverwackelt scharf gelingt.

Wobei ich seit der beinharten Tour vom Vorjahr im Rahmen des Events auf der Rotgüldensee-Hütte ja etwas abgehärterter bin: Nie im Leben dachte ich daran, mal über die Schrovinscharte zu gehen, aber nachdem damals Alex und Gabi aus dem Chiemgau sich meiner angenommen hatten...

Daran denkend steht ich dann auch schon auf meinem ersten 2.000er-Übergang nach nunmehr insgesamt bereits 10 Tagen in diesem Jahr am Rupertiweg unterwegs: Am Eckwandsattel.

Als nächstes folgt ein etwas längerer Abstieg und dann eine Querung in Almgelände bis hinüber zur Gusenalm: 

Habe ich vor der Alm mich noch über einen anscheinend fehlenden Wegweiser geärgert - die Alm war nämlich hinter der nächsten Biegung noch versteckt, bin ich dann am Zaun der Alm erstmal abgelenkt:

Ja, ja, ich Schnecke !?

Mit den 45% Ersparnis, sollte der Benchmark für mich ja bei 55% der Norm-Gehzeit liegen, was 6,5 Stunden wären. Mal sehen, wie lange die Schnecke mit dem Hinkelstein auf dem Buckel heute braucht...

Von oberhalb der Alm bestaune ich erst nochmal den Aufschluß des Gesteins mit den Schichten am Steilhang gegenüber, bevor ich die Diskrepanz zwischen aktuellem Weg und GPS-Planung realisiere.

Das geht gerade um 90° im rechten Winkel auseinander - irgendwas paßt da nicht :-o

Ich steige sogar nochmal extra zur Alm hinab, aber die neu aussehenden Wegweiser dort sprechen eine eindeutige Sprache zwecks Weg 210 und in die andere Richtung zeigt interessanterweise GAR KEIN Wegweiser, obwohl da deutlich sichtbar Farbmarkierungen sind.

Nun ja, im Zweifel entscheidet man sich im Praxis-Seminar (P-Seminar) halt wohl eher weniger für die (graue) Theorie von zu Hause (wäre vielleicht eher was für ein wissenschaftlich geprägtes W-Seminar), als für die sichtbare Ist-Wegweisung in der Realität.

Etwas spanisch kommt mir das aber schon vor: An der nächsten Alm gibt es gar keine Wegweiser in die drei möglichen Richtungen und Farbmarkierungen habe ich ebenfalls lange keine mehr gesehen.

Da ist doch etwas faul im Staate Dänemark.

Aber an der Goldeck-Alm gibt es neben Lost-Places auch nochmal gelbe Wegweiser.

Danach, auf dem Parkplatz für ca. 100-150 Autos bin ich endgültig verloren.

Mysteriös. Ich schlate das GPS-Gerät auf Routing um und kämpfe mich dann, teils auf unmarkierten Pfaden, auf Wegspuren wie im hochalpinen Gelände, auf Kuhwegen oder auch querfeldein nach oben.

Bis ich schließlich kurz vor dem Goldeck-Gipfel doch mal wieder eine Markierung und ein Schild finde:

Der Weg zur Goldeckhütte ist ab da ein Kinderspiel und auch gar nicht mehr weit, denn die Hütte sitzt auf einem Buckel nur gut 100 Höhenmeter tiefer:

Kurz nach 17:00 Uhr erreiche ich die kleine, gemütlich und erst vor drei Jahren renovierte Hütte mit ihren 15 Schlafplätzen, wobei ich der einzige Übernachtungsgast bin:

Nach 7 Stunden Gehzeit habe ich die Goldeckhütte erreicht: +0,5 Ist-Stunden zu der (phantasievoll) berechneten Soll-Zeit: Schnecke ! Sagte ich doch !!

Aber Geschwindigkeit ist keines meiner Ziele !

Wofür auch ?

Die heiße Dusche ist unlimitiert inklusive und der Schweinebraten schmeckt nach einer kleinen Topfenstrudel-Overtüre einfach sau-gut:

Insbesonder das Kraut ist eine Wucht !


Gipfel/Übergänge >= 2.000 m:

- Eckwandsattel (2.060 m)

- Übergang am Goldeck (2.054 m)


Begegnungen:

- 1 Bio-Biker mit Hund

- 3 Tages-Ausflügler (mit einem Rucksack - zu dritt)

- 1 schwarze, sehr scheue Schlange, ca. 80-100 cm: mutmaßlich schwarze Ringelnatter (Melanismus)


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